Sehnsucht

Ist es nicht so, dass wir alles, was uns begegnet, alles, was sich ereignet, auf uns beziehen müssen? Ein umgestürzter Baum auf meinem Weg, die Nessel, die mich beim Übersteigen des Baumes sticht, der Stein, von dem ich abrutsche, um mich grade noch abzufangen? Die Versehrung ist voller Erkenntnis und Wert. Sie ist die Erfahrung, die ich bedenke oder beiseite schieben mag. Ich entscheide über Wert und Unwert des Lebens über den Wert, den ich den Begebenheiten beimesse. Dies ist nicht übertragbar, ich kann es nicht ausdehnen auf meinen Nächsten.Gültig ist es nur für mich. Ich kann nur berichten von meinem Gefühl, von Gedanke und Form. Von meinem Irren und von meiner Sehnsucht nach Sinn und Wert. Und es fragt sich in mir: Woher nur diese Sehnsucht?

Und darum laufe!

Wer bin ich?

Das Mechanische an dem Laufen ermüdet mich und das Mechanische an dem Denken zudem. Ich trete auf der Stelle und dabei auf einer Frage herum. Sie ist der Weg, das Portal, ein Rat, der Schlüssel und die Antwort des großen Weisen vom heiligen Berg Arunachala. Die Frage lautet: Wer bin ich? So einfach und klar, dass sie unmöglich zu vergessen ist. Sie verweist auf den Gedanken, der zu allen vorausgehenden Gedanken und mit ihnen verbundenen Gefühlen führt: Wer ist das, der dieses denkt? Wer denkt gerade? Und aus dem Inhalt, aus dem ich mich in Windungen zu lösen versuchte, bin ich nun enthoben. Ich fühle mich erhaben und darin lösen sich meine Hysterie, mein Aktionismus, meine Betroffenheit und meine Lähmung. Mitzufühlen bin ich sehr wohl noch in der Lage. Und ich falle auf die Knie vor Erschöpfung. Falle so aus der Erschöpfung heraus und besinne mich. Dann beuge ich mich vor, lege meine Stirn auf den Waldboden und spüre das Blut in meinen Kopf hinabfliessen. Wer bin ich?, denke ich in jedem dieser Momente. Wer bin ich?, im Schließen der Augen, im Niederlegen der Handflächen auf den Waldboden. Und ich sehe vor meinem inneren Auge links vor mir, völlig gestaltlos, mein in das Sein vertieft und verwickeltes Selbst. Es birgt mein Ego, den sich mit sich selbst identifizierenden Teil von mir. Dieses Selbst dehnt sich aus nach rechts hin, um immer weniger verwickelt mit den Erscheinungen und Materialisierungen zu einer anderen Qualität des Selbst zu werden. Es ist ebenfalls völlig gestaltlos. Es ist ein reineres Selbst und es dehnt sich vor mir liegend aus in den dritten Bereich, der bezuglos und unbegrenzt in seinem Kerne reines Nichts ist. Was für ein heiterer Witz! Das also bin ich! Und zudem ist mir möglich, mich selbst dabei zu beobachten. Ein Witz, von einem Witz betrachtet!

Und darum laufe!