Linienläufer

Das Laufen im Kreis ist etwas anderes, als das Laufen auf einer Linie. Wo es hier vielleicht als ein Vorteil empfunden sein mag, dass vom ersten Schritt an das Ziel voraus liegt, so mag dort der Weg zu dem Wendepunkt als beschwerlich empfunden sein, weil ein jeder Schritt Entfernung bedeutet und eben nur in übertragenem Sinne Annäherung. Doch dem sich vergrößernden Raum, dem sich Von-dem-Ziel-und-dem-Ausgangspunkt-Entfernen, einen Sinn abzugewinnen, ist die Herausforderung, die dem Linienläufer gestellt ist. So wie er sich körperlich trainiert, steht ihm die mentale Übung bereit, vom ersten Schritt an. Mit der Vorstellung des Sich-Entfernens umzugehen ist die Herausforderung für den Linienläufer. Ein Möglichkeitsraum. Nichts wird ihn schrecken können. Nach innen gesenkt, mag er eine besondere Stärke entwickeln. Vom ersten Schritt an. Sie ist, unbeirrt zu sein. In mir erhebt sich die berauschende Vorstellung, zu einem Linienläufer zu werden, der nicht zurückkehrt an seinen Ausgangspunkt. Ein Linienläufer, der Tag für Tag sich fortbewegt und nie zweimal an dem gleichen Ort sich niederlegt, um auszuruhen. Ein Linienläufer, der nicht mehr zurückkehrt, der sich nicht umdreht, der weiter, immer weiter läuft. Einfach nur geradeaus, um darin den Kreis eines Seins zu schließen.

Und darum laufe!

Feueratem

Scharf durch die Nase eingeatmet, aktiviere ich eine Art Zellenergie in mir. Ich setze diese Energie ein, am Ende eines langen, für mein Empfinden etwas zu schnellen Laufes, um das Tempo des Vorauslaufenden zu halten. Anpassung und gegenseitiger Ansporn. Vielleicht laufen wir beide zu schnell. Vielleicht beschnaufen wir einander, um einander mit unserem Schnaufen herauszufordern. So, wie wir von Kind auf an lernten, uns miteinander zu messen, wird das einander-Messen immer wichtiger. Das Messen treibt uns unserer körperlichen Grenze entgegen. Ich belaste mich stärker, als ich es allein tun würde.. Und so atme ich scharf durch meine Nasenlöcher ein. Es ist wie ein Feuer. Der Feueratem setzt ein und ich kann für eine kurze Weile schnell sein. Dann falle ich wieder ab. So nah liegt die Freude über die Erlangung dieser Energie neben dem Leid, diese Energie wieder schwinden zu sehen. Doch es ist noch kein Leid. Es ist eher eine Vorstufe, die Abwesenheit der Freude. Eine Art Beschwernis, als hätte ich zuvor geborgt, um nun zahlen zu müssen.

Und darum laufe!