Zu Lauschen

Zu Lauschen – eine Stunde an dem rauschenden Wasser des Baches, an der Kaskade, es mich wandelt, meinen Atem, die Körpertemperatur, den Klang in meinem Ohr, wie abgestreift. Wie ein Gewand, welches hinabsinkt, um im Wasser sich aufzulösen. Zu Lauschen – eine weitere Stunde an dem rauschenden Wasser, der Kaskade, es mich wandelt, mein Selbst bewegt, es flüssig und weich werden lässt, darin stark und strömend um jedes Hindernis herum, unfassbar und rein. Zu Lauschen – eine dritte Stunde an dem rauschenden Wasser des Baches, an der Kaskade, es mich wandelt, so wie jede Beziehung, zu einem anderen Menschen sich nun wandelt, als würde der Bach auf diesen Menschen zuströmen, von hieraus. Zu Lauschen – eine vierte Stunde an dem rauschenden Wasser des Baches, an der Kaskade, es den Bach selbst nun wandelt, der Bach von hieran ein völlig anderer ist, beseelt von mir mit Worten, Bitten und Gefühl. Zu lauschen – eine fünfte Stunde an dem rauschenden Wasser des Baches, an der Kaskade, es mich vereint mit dem Bach und keine Sicht mehr auf die Sache es geben kann, weil die Sache es ist, weil ich es bin.

Und darum laufe!

Frühjahrssturm

Das Rauschen des Windes in den Kiefern über mir lässt mich lauschen.So wie ich jetzt lausche, habe ich es schon zuvor viele Male getan. In vielen Jahren. Stets empfing ich eine Botschaft. Daran erinnere ich mich jetzt. Das Rauschen schwillt an, es tönt herbei und zieht wieder fort. Seitlich weg von meinem Weg. Lebendig und wesenhaft. Je mehr ich lausche, umso mehr nehme ich wahr und umso mehr verstehe ich. Schon immer verstand ich etwas, doch nicht, wie ich jetzt verstehe. Ich bin mir sicher: Es ist eine Sprache! Sie kündet von der Ferne, aus der der Wind sich aufgemacht hat. Sie kündet von fortwährender Bewegung. Ohne Anfang ohne Ende. Eine Weite liegt darin.

Und darum laufe!