Der Raum

Ein Raum, in dem ich mich bewege, den ich ausmesse mit meinen Schritten. Der wie ein Energiefeld mich umgibt. Ein Raum, der für die Spanne an Zeit, in der ich um ihn weiß, existiert. Der Raum mich fragt: Wie bin ich beschaffen? Was macht mich aus? Was ist mein Wesen? ich ihm nun sage: Du bist völlig immateriell. Das Wesentliche an Dir ist die Veränderung, der Wandel, der sich in mir vollzieht, in dieser Spanne an Zeit, in der ich mich in Dir bewege. Ich wandele mich mit diesem Lauf, finde zurück in alte Kraft oder empfinde Stärkung durch die reine Bewegung meines Körpers. Die Veränderung auf geistiger Ebene tritt hier noch dazu. In meinen feinen Körpern setzt ebenso Veränderung ein: Sie ist bewirkt durch ein Durchdenken, ein Durchempfinden. Das Loslassen und Wiedererrichten einer inneren Harmonie, ist das sich wiederholende Muster, dem ich folge. Atemzug um Atemzug. Der Mut loszulaufen, in dem Wissen um die Veränderung, um den Wandel, ist heroisch. Ich bin nicht etwa gedrängt oder getrieben. Der Mut speist sich aus dem Vertrauen in den Wandel, der sich in mir vollziehen wird. Aus dem Vertrauen darin, dass der Wandel das Wesentliche ist am Sein. Der Wandel ist die Sache-an-sich. Der Wandel betrifft mich. Ich werde durch den Wandel hindurchgehen. Das, was ich als Ich bezeichne, mag sich in dem Wandel auflösen, um zu etwas Anderem zu werden. Das, was ich als Ich bezeichne mag sich in dem Wandel auflösen, um zum Nicht-Ich zu werden. Das ist das Nichts, ganz still und strahlend, warm und weich. Ein Tropfen einer Essenz, auf dem Weg in den Ozean, der reine Essenz ist. Auf die spiegelglatte Oberfläche des Ozeans wird der Tropfen prallen. Er wird hinauf geschleudert werden von der Oberflächenspannung und einen Trampolinsprung vollziehen. Schockwellen in die Unendlichkeit hin wird dieser Aufprall aussenden. Von dem Ozean angezogen, wird dieser Tropfen endlich in ihm aufgehen. Die aus der Unendlichkeit, unendlich fein gemilderten Wellen des Aufpralls kehren zurück und bilden, aus allen Richtungen kommend, Strukturen und Muster einer vollendeten Harmonie. Das ist, was bleibt und zugleich schon nicht mehr ist.

Und darum laufe!

Harmonie

Im Wind bewegtes Winterlaub, ein Zittern fängt meine Aufmerksamkeit. Dunkel vor dem weißen Schnee auf der gegenüberliegenden Seite des Tales. Ich gelange diesem Flirren ganz nah, um zu sehen. Um mich hypnotisieren zu lassen. Ich bin darin leer und frei. Es ist kein Zittern der Angst, die mich in dem Spiel der gefrorenen Blätter hypnotisiert. Der Angst ist es nah, doch in der Bereitschaft, die Angst darin zu erkennen, wird das Flirren zu einem Hinweis: Sieh hin. Dies ist der Ort, den Du gesucht hast, um etwas von Dir zu erkennen, um Dir auf die Schliche zu kommen. Dies ist der Ort, an den Du Dich so kunstfertig angeschlichen hast. Das Pirschen hat Dich endlich hierher geführt. Und mit einem Mal sehe ich eine vom Wind gebrochene Astgabel einer Lärche vor mir pendeln. Sie balanciert kopfüber auf einem Ast einer Buche. Sie hängt lang herab, sanft baumelnd im Wind, als würde sie in der Luft wurzeln. Sie ist weich und grün, biegsam und lebendig. Ich blicke an ihr herab und erkenne die Ausgewogenheit, die Balance ihres Zustands. So fein austariert ist ihr Baumeln, dass ein Sturm sie nicht hinfort wehen wird. Sie wird sich neigen, ein weiteres Mal brechen wird sie nicht. Sie wird tanzen und schaukeln, ein weiters Mal brechen wird sie nicht. Sie wird im Sturme rauschen, doch ein weiteres Mal brechen wird sie nicht. Sie ist in völliger Harmonie und der besondere Punkt ist dort, wo Lärche und Buche einander berühren. Das ist der Moment, in dem ich stehe. Jetzt, es ist der Jetzt-Punkt, in dem das ganze feine Gebilde zusammenkommt. Es ist nichts lineares darin, kein Zeitstrahl mit Beginn und Ende. Es ist die Ganzheit des Gefüges in diesem einen Punkt zugespitzt. Die Gleichzeitigkeit zeigt es ganz klar. Alles, was war, was sein wird, was ist: In diesem einen Punkte es steht. Sonst ist dort nichts, keine Reue, keine Illusion. Dafür ist es also. Dafür ist diese Gabel, die sich teilt in die Dualität, die dann, wiederum sich aufteilt in weitere Dualitäten, um dann erneut um 90 Grad gedreht in weiteren Dualitäten sich zu differenzieren. Durch die Drehung wird dem Gebilde weitere Stabilität hinzufügt. Es ist das Männliche und das Weibliche, darin das Gebende und das Empfangende, darin das Führende und das Folgende. So geht es weiter, immer weiter. Auf dem Weg der Verfeinerung, der Ausdifferenzierung.

Und darum laufe!