Regenbogen

In der Hitze, in ihrem Stechen, wenn sie von außen eindringt in den Körper, zugleich die Hitze von innen den Körper verzehrt, von der Körpermitte aus bis an die Innenseite der Hautoberfläche. Die Haut ein Transparent, eine Grenze so fein, dass Innen und Außen in ihr zusammenkommen, eins sind, darin das Feuer den Körper verglüht bis in ein reines Gelb, ein Orange, wie weißglühend fließendes Metall, ein Gold, dann hinüber in reines Weiß und dann nur noch Weiß, durch und durch. Jetzt der Körper gesenkt ist in das eiskalte Wasser des Gebirges, das Wasser in seinem Strömen erhellt ist von diesem Weiß, es sich abkühlt dabei in ein Blau-weiß, Türkis, Blau, Tiefblau, dann Blau-schwarz, gefroren fast. Ausharren in dem Wasser, Ausharren. Es kann dauern. Still-Halten, genau beobachten, erkalten in die tiefe Innerlichkeit hinein. Vollständig nur die Reise ist, wenn sie gesammelt sind, die Farben des Regenbogens und in dem Sich-Erheben aus dem Wasser in allen Farben nun erstrahlt hinauf ein Körper, mehr ein Wesen, eine Seele.

Und darum laufe!

Dürre

Die Dürre, trockenes Laub, zerpulvert von Füßen. Bäume, brüchig und fest. Eicheln und Nüsse auf dem Weg so dicht, dass ein Ausweichen nicht möglich ist. Sie knacken und springen umher. Das Bachbett zeigt sich wie nie zuvor. Steinreihen, Barrieren, kleine Tümpel, völlig trockene Sandflächen, ein Rinnsal darin, mehr nicht. Das abwesende Wasser fragt: Welcher Art Wasser bist Du? Das Stehende, in Tümpeln sich opfernde. Der Rinnsal, der im Sand versiegt? Welcher Art Wasser bist Du? Das sich in Tagen der Hitze Verringernde, das langsam Verdunstende, das Abgestandene, das Stehende. Das, welches ausharrt, erduldet, erträgt. Oder aber bist Du das Entflohene, Fortgeströmte, Entwichene, das zurückließ ohne Versprechen auf eine Rückkehr, noch Verbundenheit?

Und darum laufe!

Die Pflege der Gedanken

Dort, in der Umrundung einer Gruppe von Bäumen, als Marke auf meinem Weg, konnte ich eine große Hitze in den Spitzen meiner Finger spüren. Plötzlich, ganz unvermittelt. Besonders in den Spitzen der Ringfinger. Rechts und links. Ich war tief in Gedanken versunken und dachte in diesem Moment an eine Verbindung mit dem Herzen innerhalb der geistigen Aktivität. Ich dachte an eine Art inneren Faden, der durch mich hindurchginge, leicht und frei, silbrig und durchlässig. Ich dachte, dass denkend dem Menschen die Verbindung mit dem Herzen möglich sei. Die Verbindung mit der Emotionalität, dem Gefühl. Und so nahm ich diese körperliche Reaktion als eine Bestätigung meiner Gedanken. Ein Geschenk. Ich nahm die Empfindung der Hitze zudem als einen Hinweis, die Gedanken zu pflegen.

Und darum laufe!