Beginn

Wie anders ist der Weg, ist er aus der anderen Richtung genommen! Zum ersten Mal blicke ich in ein Tal hinab, aus dem ich sonst nur heraufblicke. Von beiden Seiten begangen, erkenne ich den Weg nun neu und in seinem Wesen. Vom Ziel aus betrachte ich meine Wege. Zum Anfang hin denke ich von diesem Ort. Zurück, hinein in die Unschuld des Kindes. In das momentverlorene Spiel. Versunken in das schlafende Wachstum, die eindeutige Wohligkeit. Bis zu dem entspringenden Beginn. Immer und immer wieder Beginn.

Und darum laufe!

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Zu Singen

Du kannst es heraus singen, nachdem Du es innerlich versucht hast. Ich—bin—dank—bar. Zu Laufen und zu Singen widersprechen einander nicht. Die Schwingung der Melodie geht durch jede Zelle Deines Körpers. Niemand hört Dir zu. Hab keine Scham. Singe laut, lauter noch und das über einen Zeitraum hinweg. Eine Stunde vielleicht. Ich kann laufen, zugleich singen. Zudem ist mein Geist völlig frei, beweglich. Wie wunderbar! Die einfache Melodie singt sich wie von selbst. Wenn ich selbst sie bin. So geht es immer weiter, bis mein Geist wieder Raum hat für die unter diesem Einfluß der Dankbarkeit stehenden Gedanken. Das sind schöne Gedanken. Dieser selbstlose Gesang wird natürlich gehört. Er schwingt hinauf und hinab in die Erde und den Himmel über Dir. Scham zu singen solltest Du vor diesen Dimensionen nicht haben, sind sie doch ohnehin informiert über jede Schwingung, der Du Dich hingibst, hingegeben hast, hingeben wirst.

Und darum laufe!

Der erste Atemzug

Der Rat meines Vaters: Atme durch die Nase. Im Winter, wenn es kalt ist, wird die Luft erwärmt, bevor sie in die Lunge gelangt. Das ist ein Schutz. Im Sommer wird sie befeuchtet und gefiltert von den Nasenhaaren. Atme ein durch die Nase und atme aus durch den Mund.

Ich sage: Irgendwann ist es notwendig, dorthin zu laufen, wo es Dir unmöglich ist, darüber nachzudenken, wie Du die Luft in Deine Lunge bekommst. In der Steigung reißt Du Deinen Hals auf, so weit es geht, um die Luft hineinzubekommen. Blicke nur auf den Boden mit dem weit geöffneten Rachen. Achte auch in der Sauerstoffschuld noch daran, einen Rhythmus zu wahren. Bleib nicht stehen, nimm die Steigung im Lauf. Wenn Du dann auf dem Plateau Deinen Puls wieder hinabatmest, dann koste den ersten Atemzug, der Dir wieder durch die Nase gelingen mag. Er schmeckt süß und gehaltvoll, wie etwas, von dem Du zuvor noch nicht gekostet hast.

Und darum laufe!

Lauftechnik – Die Stille

Lauf, wenn Du läufst, so still es nur geht. So leis, wie nur möglich. So sanft, wie nur möglich – fliege geradezu. Vom Atmen will ich hier nicht reden. Ich rede vom Setzen des Fußes auf den Untergrund. Ist es – das Setzen – so leis, daß Passanten Dich nicht hören, sie Dich nicht bemerken, wenn Du Dich von hinten ihnen annäherst, dann ist es gut. Denn jedes Geräusch ist Energie, über die Du verfügen könntest, wäre sie hier nicht in Schall gewandelt. Du könntest diese Energie aufbringen, um Dich vom Boden abzudrücken, Dich schweben zu lassen. Ist es so leis, Dein Laufen, daß der Zaunkönig von dem Schatten nur, den Du auf ihn wirfst, aufmerkt, so ist es gut. Kein Geräusch hat ihn gewarnt. Nichts eilte Dir voraus.

Jetzt laufe nicht etwa so, weil es Dir zugute käme, weil es Gelenke, Knochen, Sehnen und Muskeln schonen würde – das tut es ohnehin, das Leise-Laufen – doch hierum geht es nicht. Es geht nicht um Nutzen oder Zweck, nicht um Ertrag oder Erfolg. Laufe leis, sanft, der Erde zuliebe, auf der zu sein Dir gestattet ist. Laufe leis, weil Du ein Stampfen ihr nicht zumuten möchtest. Weil Du Ihre Sehnsucht nach Harmonie und Übereinstimmung wahrnimmst. Weil in allem, was Du tust sich Dankbarkeit ausdrücken soll, ihr gegenüber. Dankbarkeit für ihre Duldsamkeit, für die Kraft und Geborgenheit, die sie Dir schenkt. Dankbarkeit dafür, daß sie Dich nährt, Dir Raum gewährt.

Und darum laufe!