Die Ahnen

So wie ich nun blicke auf die fahle Spiegelung der Bäume in der Oberfläche der Pfützen auf meinem Weg, so wie die Wassertropfen des Regens im frühen Jahr darin ihre Kreise ziehen und wieder vergehen, so wie der Regen Stille, Zeit und Ruhe in meine Seele gießt, genauso meine Ahnen blickten, hinabgewandt, durchnässt und regungslos dabei.

Und darum laufe!

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Sprechende Steine

Auf meinem Weg ein Stein zu mir spricht: Wie also ist es nun bestellt um Dein Ego, Dein Ablassen, Dein Dich Lösen? Und ins Mark getroffen, ich zusammensinke. Dem Stein ich antworte: Ich bemühe mich darum, wie weit, wie wenig mir gelingt, ich ahne davon, doch ich weiß es nicht. Dies ist meine Form, bis hierher. Anderes war mir nicht möglich, dies war mein Weg und ich bin noch dabei, was kommen wird, ist völlig offen …  Ein Moment der Stille uns versöhnt, ich den Stein nun frage: Wie nun ist es um Dich bestellt? Er mir antwortet: Ich liege hier, lasse mich zertreten, werde zu Staub, lasse mich ausspülen, verschwinde langsam aber stet, doch Dich nach Deinem Ego zu befragen, auch davon abzulassen, mir bisher noch nicht gelang.

Und darum laufe!

Lauftechnik – Die Stille

Lauf, wenn Du läufst, so still es nur geht. So leis, wie nur möglich. So sanft, wie nur möglich – fliege geradezu. Vom Atmen will ich hier nicht reden. Ich rede vom Setzen des Fußes auf den Untergrund. Ist es – das Setzen – so leis, daß Passanten Dich nicht hören, sie Dich nicht bemerken, wenn Du Dich von hinten ihnen annäherst, dann ist es gut. Denn jedes Geräusch ist Energie, über die Du verfügen könntest, wäre sie hier nicht in Schall gewandelt. Du könntest diese Energie aufbringen, um Dich vom Boden abzudrücken, Dich schweben zu lassen. Ist es so leis, Dein Laufen, daß der Zaunkönig von dem Schatten nur, den Du auf ihn wirfst, aufmerkt, so ist es gut. Kein Geräusch hat ihn gewarnt. Nichts eilte Dir voraus.

Jetzt laufe nicht etwa so, weil es Dir zugute käme, weil es Gelenke, Knochen, Sehnen und Muskeln schonen würde – das tut es ohnehin, das Leise-Laufen – doch hierum geht es nicht. Es geht nicht um Nutzen oder Zweck, nicht um Ertrag oder Erfolg. Laufe leis, sanft, der Erde zuliebe, auf der zu sein Dir gestattet ist. Laufe leis, weil Du ein Stampfen ihr nicht zumuten möchtest. Weil Du Ihre Sehnsucht nach Harmonie und Übereinstimmung wahrnimmst. Weil in allem, was Du tust sich Dankbarkeit ausdrücken soll, ihr gegenüber. Dankbarkeit für ihre Duldsamkeit, für die Kraft und Geborgenheit, die sie Dir schenkt. Dankbarkeit dafür, daß sie Dich nährt, Dir Raum gewährt.

Und darum laufe!