Annahme

Nun stelle dir vor, dies alles, in allen seinen Ausformungen, in Wandel, Blüte und Vergehen, es sei erschaffen – nur für dich. Es sei erschaffen für deine von dir selbst zu realisierende Veränderung. Für deine Entwicklung, dein Wachstum. Wachstum an der Sache, an dem, was ist. Mag es auch als schmerzhaft empfunden sein, das Leben – diese Vorstellung ist trotz Allem möglich. Keine Zufälligkeit darin, kein Umweg, alles voll Sinn und darin folgerichtig. Der Kleiber im grauen Kleid, der sich nah mir zeigt mit orangener Brust, kopfüber am Stamm. Der Graureiher im Bache, mit orangenem Schabel, in gespannter Konzentration. Ein Meister des Lauerns, unbeirrt von meiner Erscheinung. Wenn dies alles also nur für mich erschaffen ist, und noch viel mehr, weit darüber hinaus, nur für mich – wie sollte ich es aushalten können, ohne die Annahme meiner selbst? Wert und Unwert von dem was ist, von Allem, entstünde in meiner Haltung mir selbst gegenüber. Das Eine ist, dass ohne eine tiefe Selbstliebe dies zu ertragen unmöglich ist. Das Andere ist, dass diese Vorstellung zu erheben, den Moment der tiefen Selbstannahme und -Liebe erschaffen muß. Darin verbirgt sich dieser Vorstellung tieferer Wert. Die Annahme von dem was ist. Sie ist der Anfang eines Weges. Wer weiß, wohin er führt?

Und darum laufe!

Fünf Wege

Einer ist, an dem besonderen Baum, der auf der Gabelung eines Weges steht, den rechten Weg zu wählen, der über des Baumes Wurzelwerk am Hang entlang sich schlängelt, um im Dickicht zu verschwinden. Der Andere ist, an diesem Baum links abzubiegen, auf dem Weg also zu bleiben, um in den Hohlweg zu gelangen, der von Moos gesäumt mich birgt und leitet. Der Dritte ist, zu zögern, den einen oder den anderen Weg einzuschlagen. Im Zögern bereits liegt eine Entscheidung. Vielleicht sind die beiden erstgenannten Wege noch offen für eine Weile, vielleicht sind die Optionen noch gewahrt. Doch ganz sicher ist die Entscheidung, die dann folgt eine andere, als die unvermittelte Wahl. Die Entscheidung ist bedacht. Zu zögern sei hier völlig wertfrei als gleichwertig und gleichtwürdig genommen. Der vierte Weg entsteht im Zögern erst. Er ist, im Innehalten, dem Innehalten etwas unerwartetes abzugewinnen. Eben noch bedachte ich die Entscheidung, jetzt bemerke ich des Baches Plätschern, das fiepen des Eisvogels dort unten am Ufer des Baches. Der Eisvogel – ein fliegender Edelstein. Ich bin ganz vertieft in die Begegnung mit dem Naturwesen und gewinne eine völlig neue Sicht. Ich blicke mit den Augen des Eisvogels auf meine Frage, mein Sein, mein Leben. Ich sehe mich selbst durch seine Augen. Ich bin in diesem Moment, so flüchtig er auch sein mag, der Vogel selbst. Ich fühle wie dieser Vogel und kenne seine Weisheit und Magie. Der fünfte Weg ist, umzukehren und nach Hause zu laufen, auf dem Weg, auf dem ich gekommen bin. Ich kehre zurück, zu dem, was zu tun ist. Zu meiner Aufgabe. Vielleicht konnte ich sie zuvor nicht erkennen, doch jetzt ist sie mir ganz klar. Die Aufgabe ist ganz naheliegend und sie ist völlig ausreichend. Ich kann all meine Illusionen von dem, was mir angemessen sei, loslassen. Ein friedlicher Moment. Ich kehre zurüch nach Hause. Das Zuhause liegt in meinem Herzen. Dorthin kehre ich zurück. Dort liegt die Antwort. Zu laufen ist, wenn ich es so betreibe, die Empfindungsfähigkeit wiederzuerlangen.

Der erste Weg ist das Ja, der zweite Weg ist das Nein, der Dritte Weg ist das ja, aber und das na gut. Der vierte Weg ist das Nichts und das Alles. Der fünfte Weg ist die Aufgabe.

Und darum Laufe!