Schweben

Es ist möglich zu schweben. Für das Schweben benötige ich die Geschwindigkeit und die Fähigkeit diese Geschwindigkeit aufrechtzuerhalten. Und dies über einen gewissen Zeitraum hinweg. Das Gefühl des Schwebens ist eingebettet in einen Vorlauf und einen Nachlauf. Doch dann ist es da. Und es ist, als würde der Körper sich in einer anderen Realität befinden, als die Beine. Alles läuft von selbst. Es ist, als würde der Körper sich nicht hinauf und hinab bewegen. Es ist ein Schweben. Das ist es, weil die Beine darunter nur den jeweils notwendigen Impuls geben, hinauf und voraus. Die Masse des Körpers ist ja bewegt. Auch die Beine erfahren sich neu. Sie sind an das Schwebende angebunden und darin sind sie eher Werkzeuge der Luft, als des Bodens. Tatsächlich ist in dieser Phase des Laufes die Berührung der Füße mit dem Erdboden kürzer, als die Zeitspanne bis zur nächsten Berührung mit dem jeweils anderen Fuß.

Und darum laufe!

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Vor dem Bewusstsein

Worte, die durch mich hindurchgehen. Wortketten, Sätze, Erzählungen. Worte, die in mich eindringen, von außen und andere, die in mir entstehen. Wortketten, Sätze, Erzählungen. Worte, gebunden an Empfindungen. Gefühle, die sich in Worte kleiden und doch darin vollends wahr sind. Gefühle, die in völliger Übereinstimmung mit den Worten sind. Eine Trennung ist nicht möglich oder notwendig. Wortketten, Sätze, Erzählungen. Manche der Worte fallen wie Laub von einem Baum an einem sonnigen Herbsttag. Das ist ihre Bestimmung und Ausdruck des steten Wandels, der Veränderung und der Eingebundenheit in die großen Zyklen des Seins. Blätter im segelnden Flug, je nach Form, im Spiel mit dem Wind. Ein jedes Blatt eine Erfahrung. Ein jedes Wort eine Erfahrung. Andere Worte, die in mir kreisen. Die ihre Kraft, sich zu vergegenwärtigen aus dem Gefühl beziehen. Sie hinabzudrücken gelingt mir nicht. Nur wenn ich durchlässig werde, gleiten auch sie hinab. Nur wenn ich mit Ihnen auch von dem Gefühl loslasse, an welches sie gebunden sind, gleiten sie hinab. Bis ich leer bin, völlig leer. Ich bin jetzt nicht gefühllos, auch wenn es so erscheinen mag. Ich bin voller Mitgefühl, weil ich leer bin. Weil ich ohne Erinnerung bin. Es ist noch zu erahnen, in den uns wertvollen Momenten, dass es eine wortlose Zeit gab. Eine Zeit ohne Erinnerung. Eine Zeit vor dem Bewusstsein, welches uns so gründlich täuscht.

Und darum laufe!

 

Das Anhaften

Eben noch gestört von etwas, irritiert und umgewendet, nun ich es vermisse. Der Stille nun, den Nachhall gegenüberstelle. Die Stille nicht sein lassen kann, war doch die Störung, die Umwendung zu groß, fast vollkommen. In ihr ein kleines Licht des Ahnens: Sie auszuhalten, ist ein Weg, sie durch mich hindurch gehen zu lassen ist ein Weg. Doch eben Ahnung nur. Noch nicht verwirklicht. In jeder Grenzerfahrung eine Chance liegt. Die Chance, zu erfahren, dass ich selbst es bin, der diesen Grenzstrich zieht, ein ums andere Mal. Ich selbst es bin, der korrigiert. Ein ums andere Mal. Von der Schöpferkraft zu ahnen, nur dort draußen mir gelingt. Hinaus zu gehen, es also ist.

Und darum laufe!

Ethik des Laufens

Ich achte darauf, bei einem Lauf so wenig Spuren, wie möglich zu hinterlassen. Ich laufe auf bestehenden Wegen und Pfaden. Ich versuche, so leis, wie möglich zu laufen. Ich respektiere die Tiere, die mir begegnen, und weiche zurück, um den Weg für sie freizumachen. Ebenso gebe ich den Weg frei für Passanten, für Wanderer und Radfahrer, ohne sie zu behindern. Ich sende ihnen, wie den Tieren das Gefühl des Respekts und der Gleichwertigkeit. Das ist die Ethik des Laufens, der ich folge, nach der ich das Laufen praktiziere.

Und darum laufe!

Freiheit

Kann es einen Einbruch in die Freiheit geben? Ja, ganz sicher! Und es gibt Menschen, denen gelingt, zur Freiheit vorzudringen. Sie bringen den Mut auf, sich der Herausforderung zu stellen. Sie ist innerlich. Zuerst.

Und darum laufe!