Hingabe

Zu Laufen als eine Art Forschung, mit der Bereitschaft und dem ausdrücklichen Ziel, von dem forschenden Subjekt zu dem beforschten Objekt zu werden. Sogar immer präziser den Raum werden zu lassen, in dem Subjekt und Objekt ineinander übergehen und dies auf eine Anzahl von Schritten in der Zeit, sowie eine bestimmte Herzfrequenz einzugrenzen. Ich bekomme eine Ahnung davon, dass in den Verhältnismäßigkeiten von Geschwindigkeit, Atemfrequenz, Bodenbeschaffenheit, Auf- oder Abstieg, Außentemperatur, dem Wetter und vielem mehr, eine Reihe von Momenten zu lokalisieren sind, die ich ganz bewusst ansteuere, weil in ihnen sich dieser Übergang in der Versuchsanordnung meiner Forschung von dem Subjekt zum Objekt vollzieht. Es ist der mich mit Glücksgefühlen durchflutende Übergang von Subjekt zu Objekt und der mich bereichernde Zugang zu Informationen aus der jeweils andere Perspektive auf etwas. Auf eine Frage, auf das Sein, auf mich selbst. Und darin ist die Frage nach dem Selbst letztlich auch gelöst. Sie ist beantwortet! Vollkommen, tief, befriedigend und erschöpfend. Nur ist die Antwort nicht in Worten auszudrücken. Die Antwort ist die Auflösung der Fragestellung: Wer bin ich? Je näher ich also heran gelange an diese Grenze, je feiner die Grenze zwischen Subjekt und Objekt in meinen Überlegungen wird, umso schneller kann mein Geist wechseln zwischen diesen beiden von mir als Kreise gedachten Bereiche. Und so wird die Schnittmenge dieser beiden Kreise dadurch immer kleiner, dass ich genau hinschaue auf den Bereich des Übergangs: Hier also denke ich noch, hier also bin ich umnachtet und werde gedacht. Und dann passiert das Besondere: In dem Changierenden Hin- und Her, dem unendlich schnell pulsierend Rotierenden gelangen die zuvor eine Schnittmenge bildenden Kreise in den spannungsvollen Zustand des an Ihrer Außenlinie-sich-Berührens, um darin zugleich in dem vollkommen entspannten Zustand der Deckungsgleichheit zu stehen. Alles ist Eins! Die Deckungsgleichheit der Kreise und die gleichzeitige Berührung der Außenseiten ihrer Kreislinien stellt keinerlei Widerspruch dar. Das Glückszentrum in meinem Gehirn, wie es vielleicht von Hirnforschern genannt werden mag, vielleicht auch Orgasmuszentrum, Suchtzentrum, Belohnungszentrum oder Lernzentrum, es jubelt auf. Ich bin wie berauscht. Ich verstehe, dass sich einander widersprechende Pole nicht vereinen lassen, ist eine Illusion. Dass ich von dem Wald irgendwie getrennt wäre, es ist eine Illusion. Dass ich von dir getrennt wäre, es ist eine Illusion.

Und darum laufe!

Umkehr

Erst sind es die Zeichen der Anderen, denen ich folge. Markierungen an Bäumen, Pfeile in leuchtenden Farben, Überbleibsel. Dann sind es die höheren Zeichen, denen ich folge. Eine Astgabel, die Beschaffenheit eines Baumes, der Einfall der Sonne an einer Wegkreuzung, in diesem Moment. Dann, an der folgenden Wegkreuzung ist es mein Wille, meine Entscheidung, der ich folge. Ich ignoriere alle Zeichen, ordne sie meinem freien Willen unter. Und dies, um einen Umweg zu nehmen, um die Wüste kennenzulernen, den steinigen Weg, den schweren Anstieg, die Sackgasse. Hier heraus wieder hervorgegangen, nehme ich wieder die höheren Zeichen wahr und ernst und folge ihnen. Doch was ist falsch an einem Umweg? Was ist falsch an der Wüste? An Steinen, an einem Anstieg? An einer Umkehr?

Und darum laufe!

Listig

Der halbe Weg. Es ist Zeit umzukehren. Die Heimkehr sei nun besprochen, der Heimweg, die Rückkehr. So wie ein Aufbrechen, ein Hinaus-ziehen ein Wagnis war, voller Aufregung und von einem Zauber getragen, so wird nun deutlich: Die Rückkehr hat den Zauber vergessen und das Wagnis der Heimkehr wiegt doppelt, vielfach sogar. Die Herausforderung, die ich bestanden habe, sie ist nur der erste Stein des verfallenen Tempels, den ich im Dschungel fand. Der heilige Ort liegt noch vor mir, viel tiefer im Dickicht, viel weiter im Ungewissen und zudem liegt dieser Ort in mir. Was einmal bestanden war, mich hat müde werden lassen, es war ein Auftakt nur. Nun geht es ums Ganze! Das was jetzt kommt, ist kein Spiel mehr. Es geht um meine Haut, meine Zähne, meine Knochen, mein Herz, meine Eingeweide. Doch ich bin listig, erfahren, gerissen, ein Niemand schon! Und ich weiß um den Zauber des Spieles, um die Magie der Versunkenheit, und um die Kraft des Vertrauens. Mit ihr ziehe ich das letzte Mark aus meinen Knochen. Die Knochen werde ich doch irgendwann sowieso nicht mehr benötigen, warum also nicht jetzt? Ich erschöpfe mich vollends, doch ich bleibe listig dabei.

Und darum laufe!