Wasseramsel

Ein seltener Vogel auf einem Stein im Bach. Nur weil ich auf halber Strecke ausruhe, fällt mir dieser Vogel auf. Ich war zu müde für die lange Strecke, habe zu lange schon nicht mehr den Weg hierher gefunden, war müde überhaupt, erschöpft zu sehr, um aus mir die Kraft zu schöpfen. Der weiße Fleck auf der Brust des Vogels leuchtet weit zu mir herüber, so wie die den Stein umfliessende Gischt des frischen Wassers. Sein dunkles Federkleid, grau und braun, fast schwarz, ich verstehe, dass es genau angepasst ist an die Farbe der ihn umgebenden Steine. Angepasst an die Schatten, die die Steine in das Wasser werfen, an die Tiefen, die sich im Dunkel verlieren. Dies ist sein Lebensraum, ganz nah dem Wasser. Nie zuvor sah ich diesen Vogel. Auf Abbildungen vielleicht. Doch so nah, wie die Abbildungen ihn zeigen, kann ich ihm nicht kommen. Zu aufmerksam, zu scheu ist er, sodass er auffliegt und knapp über dem Wasser, schnell dem Bachlauf folgend, flüchtet. Ich weiß dass er unter Wasser nach seiner Nahrung sucht. Auch dass er singt, dass sein Federkleid so dicht ist, dass es ihm ein Tauchen ermöglicht. Was ich erfahre in dem Moment des Ausruhens ist, dass dieser Ort, den ich ja gut kenne, ganz eigenartig neu belebt ist für mich durch diese Begegnung mit diesem Tier. Als würde der Ort seine Seele offenbaren, die mir zuvor verborgen war. Die Fähigkeiten und Eigenschaften dieses Vogels sind mir nun mit diesem klar strömenden Abschnitt des Baches verbunden. Und ich sehe vor meinem inneren Auge diesen Vogel unter der Wasseroberfläche mit seinen kräftigen Krallen auf dem Gestein umherwandern und nach Nahrung suchen. Ein Taucher und ein Wanderer, ein Sänger und ein sich-verbergender, ein schnell davoneilender.

Und darum laufe!

Von dem Gebrauch eines Ortes

So fremd mir die Formulierung erscheint, es schließt sich ein Gedanke an: Etwas kann durch den Gebrauch veredelt sein. Etwas kann durch den Aufenthalt eines Läufers, an Schönheit gewinnen. An Reinheit und Harmonie. Von diesem Geist erfüllt, könnte dieser Wald, auch für andere spürbar, zu einem aus sich selbst heraus strahlenden Ort werden oder zurückfinden zu der aus sich selbst heraus strahlenden Kraft, die dieser Ort einmal besaß. Hierin vertieft, in diese Gedankenwelt, stolpere ich über eine leere Flasche, die hier zurückgelassen wurde. Ich tue, woran ich schon öfter gedacht habe, bücke mich, hebe die Flasche auf und laufe weiter. Zuerst geht es darum, den Müll herauszutragen aus dem Wald. Ganz einfach. Ein Fetzen Papier, eine Tabakverpackung, eine alte Schuhsohle, schnell ist meine Hand gefüllt. Und so laufe ich mit dem Müll in der linken Hand und trage ihn hinaus zu dem nächsten Mülleimer auf meinem Weg. Ein erhebendes Gefühl erfüllt mich. Von nun an mag sie sich füllen auf jedem Lauf, die linke Hand.

Und darum laufe!