Herbst

Das Rauschen des Regens lässt mich in der Nacht erwachen. Am Morgen hat der Regen Blätter auf die Wege gespült. Hier und dort, so scheint es mir, hat er die Farbe aus den noch hängenden Blättern herausgewaschen. Ein vertrautes Gelb tritt hervor. Nasse, zufriedene Bäume auf meinem Weg. Ich laufe durch den Morgennebel und Geborgenheit umfasst mich. Geborgenheit, wo ich zuvor in dem abnehmenden Licht des späten Sommers von Sorge und Furcht erfüllt war. Furcht vor der Dunkelheit, vor dem Dunkel, vor der Zurückgezogenheit. Und es wiederholt sich in jedem Jahr, ohne dass ich den Gefühlen entgehen könnte. So sehr ich, so häufig ich auch den Wechsel von Furcht und Geborgenheit erfahren habe. Es ist ganz gleich, es wiederholt sich. Es wiederholt sich in mir.

Und darum laufe!

Torus

Eiweiße, vielleicht Verunreinigungen im Wasser, die aufschämen, dort, wo das Wasser rauscht, wo es über Barrieren stürzt, spritzt und brodelt. Aus diesem Schaum, der von einem querliegenden Ast geschlagen ist, bildet sich in einem beruhigten Seitenbecken des Baches ein Ring aus Schaum. Ein Torus, einem Rettungsring in Form und Größe gleich, in steter ruhiger Kreisbewegung. Er schäumt von seinem äußeren Rand auf, um nach innen hin ebenso ebenmäßig abzuschäumen. Ein Ring aus Schaum. Eine Form, die mich völlig unerwartet trifft. Das Runde bildet sich über die Bewegung und die Kollision mit der geraden Kante die der Ast hier bietet. Aus dem Geraden entspringt das Runde. Ein wundersamer Torus so eigenartig fremd in dieser Umgebung und es erscheint mir ganz klar: Kein Gegensatz, keine Opposition, keine Dualität, die nicht zugleich eine Einheit wäre.

Und darum laufe!