Tänze und Läufe

Tänze, die dem Laufen ähnlich sind. Menschen im Kreis in einer Richtung, in steter Bewegung. Kein Anfang und kein Ende. Läufe, die dem Tanzen ähnlich sind. Musik stellt sich ein. Die Füße umtanzen Steine, Blätter, Insekten und laufen immer weiter. Ohne eine Erinnerung an den Beginn, ohne eine Ahnung von dem Ende. Die kürzeren Schritte erlauben, zu betonen, darin ein Spiel. Als würden Klänge Schritt um Schritt entstehen.

Und darum laufe!

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40 Meter vor Dir

Wenn Du losläufst, so versuche Deinen Focus auf ein Ziel zu lenken, welches imaginär ungefähr 40 Meter vor Dir liegt. Dieses Ziel lasse nicht aus den Augen. Vertraue Deinen Füßen, sie werden den Untergrund erkennen, Dich über Wurzeln und Steine hinweg tragen. Dein Laufen verändert sich. Das Wahrnehmen des Untergrundes, der vor Dir liegt, wandelt sich. Das ist das, was ich meine, wenn ich sage: Vertraue Deinen Füßen! Oder: Sieh mit Deinen Füßen! Oder: Laufe mit Deinen Füßen! Bleibe nun solange, wie es Dir möglich ist mit Deinen Augen – ihrem Focus – auf dem imaginären Ziel in 40 Metern Entfernung. Kommst Du dem Baum, dem Objekt, an dem Du diese 40 Meter festgemacht hast näher auf vielleicht 30 Meter, so blicke voraus und finde ein neues Ziel und wieder und wieder.

Dein Kopf ist erhoben, Deine Haltung gewandelt. Du läufst nun aufrecht, so dass ein Gefühl körperlicher Schwerelosigkeit entstehen kann. Die Beine laufen wie von allein und der Atem geht tief und dann wider ganz hoch über Dich hinaus. Du atmest die Ferne, die Weite, den Kreisbogen von 40 Metern um Dich herum. Nimm ihn als Volumen, welches Deine Lungen einsaugen. Lass es eine Kugel sein von 80 Metern Durchmesser – sie hat mehr als Genug Luft für Dich zur Verfügung.

Du wirst vielleicht bemerken, wie schwierig es ist, mehr als vielleicht fünf oder sechs Schritte zu tun, ohne den Blick auf den Boden vor Dir zu senken. Es ist schwierig, sich nicht fortwährend zu vergewissern, was dort vor Dir auf dem Boden ist. Doch es ist möglich. Du wirst alles, was Dich stolpern lassen könnte wahrnehmen, wenn es notwendig ist. Aber lass Deinen Focus auf Deinem Ziel. Lass Deine unbewusste Wahrnehmung sich um Schrittfolge, Schrittweite, Behutsamkeit des Aufsetzens der Füße kümmern, sie kann es. Der Bereich Deines Gesichtsfeldes, der am unteren Rand liegt, in dem all das liegt, was Dich stolpern lassen könnte, sei nun von einem Wahrnehmungsbereich beobachtet, den ich unbewusst nenne möchte. Vertraue also Deiner unbewussten Wahrnehmung und sieh mit den Füßen, ohne Dein Ziel in 40 Metern vor Dir aus den Augen zu lassen. Vielleicht solltest Du diese Übung erst auf einem ebenen Untergrund versuchen, einer Straße etwa, um dann allmählich auf abwechslungsreichem Terrain weiterzuüben. Du kannst auch langsamer laufen, als Du vielleicht gewohnt bist. Hast Du die rechte Geschwindigkeit für Dich, den Moment, Deine Wahrnehmung, so wirst Du auch nicht stolpern oder gar hinfallen. Vielleicht setzt Du Deine Füße auch etwas behutsamer auf, vielleicht werden sie vorsichtiger mit den möglichen Unebenheiten umgehen. Aber blicke für den Lauf von 40 Minuten, von einer Stunde nur in die Ferne – Du wirst gewandelt sein, wenn Du zuhause ankommst. Dein Geist wird nach oben hin geöffnet sein, erhaben, er hat fliegen dürfen und ist nun bereit sich wieder mit dem naheliegenden zu beschäftigen. Es kann sein, dass es Dich berauscht, so zu laufen. Doch Vorsicht! Im Rausch sind wir in der Lage über uns selbst hinauszugehen. Dies kann zu Erschöpfung, zu übermäßiger Ermüdung führen, Du kannst Dich übernehmen, zusammenbrechen, Dich verletzen. Wenn Du dies alles vermeiden willst, so genieße den Rausch, aber zähme ihn ein wenig auf das Maß, in dem Du Dich auch sonst bewegst.

Und darum laufe!