Freie Menschen

Geborgenheit, Beachtung, Würdigung, Berührung, Zärtlichkeit, Mitgefühl, Selbstvertrauen, Weltvertrauen. So vieles, nach dem ich mich bedürftig fühlen kann. Vieles mehr, immerzu. Wenn ich laufe, so ist das ein Raum, der frei ist davon. Eine Spanne an Zeit, in der es keine Bedürftigkeit gibt. Ich bin ganz ich selbst. Verständlich mir selbst und ganz ohne Irrung. Ich begegne anderen, die mir entgegen kommen und sie sind in ebenso wenig bedürftig, wie ich es bin. Frei sind sie. Freie Menschen. Und doch: Das leben ist das nicht.

und darum laufe!

Auf dem Zeitstrahl

Ich unterschreite die große Steinbrücke, die wie ein Tor vor der sich öffnenden Waldschlucht liegt und laufe auf meinem Weg. Es ist ein Lauf auf dem Zeitstrahl zurück. Zurück in die Vergangenheit. Gleichbleibend ist meine Geschwindigkeit und fliessend die Rückkehr in der Zeit. Fliessend in dem Reich der Vorstellung. Mein Geist streift hierhin, mal dorthin, doch immer bleibt er an Menschen gebunden. Das ist interessant. Immer sind es Momente, die ich mit Menschen erlebt habe, die nun in meiner Vorstellung auftauchen aus dem großen Meer an Erinnerungen. Ich ermahne mich, nicht zu sehr zu springen von Erinnerung zu Erinnerung, oder von Empfindung zu Empfindung. Es soll ein gründlicher Lauf sein. Vernachlässigtes soll angesehen sein. Und so nehme ich mir die Zeit, genau hinzusehen. Auf diesem Lauf begegnen mir Menschen, mit denen ich lange Zeitsabschnitte verbracht habe und andere, die ich nur kurz traf und von denen ich mich schnell wieder löste. Und ich glaube zu erkennen, dass es die Tiefe der Selbstoffenbarung ist, die mich an einen Menschen band und diesen Menschen nun in dem Strom meiner Vorstellung auftauchen lässt. Die Tiefe der Selbstoffenbarung benötigt keine Zeitspanne. Sie ist mit einem Mal da und dann für alle Zeit. Dieser eine Moment, der ein Leben wandeln kann, ein einziger Blick nur kann er sein. Ich versuche Heiterkeit und Leichtigkeit hineinzuweben in dieses Reich der Vorstellung. Das ist mein Leben! Für alles gibt es Gründe, alles, so sage ich es nun: Alles ist richtig! Alles musste genauso sein, konnte nicht anders sein, in Form und Konstellation. Es ist ein heiteres Spiel ohne einen Verlierer! Gewinnt ein Mensch diese Erkenntnis, so gewinnen alle an seinem Erfolg, an seiner Errungenschaft. Ich fühle mich verbunden über Zeit und Gefühl hinaus und bin zutiefst dankbar. Doch es geht darum sich zu lösen. Das war mir vor dem Antritt zu diesem Lauf völlig klar. Sich zu lösen von dem eigenen Leben, um frei zu sein, endlich!

Und darum laufe!

Das Wohltuende

Wer spricht zu mir? Baum, Strauch oder Stein? Irgendwann, von dieser Frage erregt, war Freude in meinem Herzen. Es dauerte eine Weile bis dahin. Dann war es mit einem Mal da. Etwas in mir wurde dieser Frage gegenüber gleichgültig. Auch von dieser Frage bist Du frei! klang es in mir. Das Wohltuende daran ist mir vertraut. Wer es ist, der zu mir spricht, bleibt ohne Belang. Ich vertraue darin, es selbst zu sein und darin meiner Vorstellung von mir selbst zu entsprechen. Eine große Schöpferkraft liegt darin. Ich erschaffe mich selbst. Und niemals blind. Denn auch dunkle Gedanken stellen sich ein. Ich lasse sie fallen auf meinem Weg, wie ein Blatt in dem Herbstlaub, welches golden mich umgibt.

Und darum laufe!