Feueratem

Scharf durch die Nase eingeatmet, aktiviere ich eine Art Zellenergie in mir. Ich setze diese Energie ein, am Ende eines langen, für mein Empfinden etwas zu schnellen Laufes, um das Tempo des Vorauslaufenden zu halten. Anpassung und gegenseitiger Ansporn. Vielleicht laufen wir beide zu schnell. Vielleicht beschnaufen wir einander, um einander mit unserem Schnaufen herauszufordern. So, wie wir von Kind auf an lernten, uns miteinander zu messen, wird das einander-Messen immer wichtiger. Das Messen treibt uns unserer körperlichen Grenze entgegen. Ich belaste mich stärker, als ich es allein tun würde.. Und so atme ich scharf durch meine Nasenlöcher ein. Es ist wie ein Feuer. Der Feueratem setzt ein und ich kann für eine kurze Weile schnell sein. Dann falle ich wieder ab. So nah liegt die Freude über die Erlangung dieser Energie neben dem Leid, diese Energie wieder schwinden zu sehen. Doch es ist noch kein Leid. Es ist eher eine Vorstufe, die Abwesenheit der Freude. Eine Art Beschwernis, als hätte ich zuvor geborgt, um nun zahlen zu müssen.

Und darum laufe!

Windgeworfen

Ein umgestürzter Baum, ein Riese von vielleicht 200 Jahren, der sich nun in seiner Würde über meinen Weg legt. Im Liegen noch ist dort, und gerade im niedergelegten Zustand, ist dort ein Gefühl von einer Erhabenheit in mir im Schauen angeregt. Größe, Zeit, das Überdauern. Was alles hat dieser Baum gesehen? Ich erahne Dimensionen, die über mich hinausreichen. Ich spreche aus für die Bäume! Hier und jetzt. Sie zu respektieren bin ich gekommen. Den Respekt einzufordern, bin ich gekommen. Dieser Baum stand an dieser Stelle, bevor es überhaupt einen Weg gab, der an ihm vorbeiführte. Bevor Pfade zu einem Weg zusammenfanden. Der Weg führte an diesem Baum vorbei, um ihn zu einem Baum des Wegesrandes zu machen. Der Baum nun legt sich zum Sterben über den Weg und wir Passierende weichen aus. Ihn zu übersteigen gelingt uns nicht. Er ist zu groß, der Stamm ist zu mächtig. Hindurch durch die von seinen Wurzeln hochgeworfene Erde werden wir weich und mäandern um ihn herum. Der Weg, zuvor gerade, wie an der Schnur gezogen, ist nun gewandelt, geschwungen. Ich denke: Dies zu erhalten, es würde mir das Gefühle der Ehrfurcht, die ich an dem liegenden Riesen empfinde, erhalten. DIe Erhabenheit wäre für den empfindenden Menschen bewahrt, über Jahre vielleicht, bis aus dem Stamm Humus geworden, Insekten, Pilze, Farne, andere Bäume aus ihm herausgewachsen sind. Und vielleicht wäre der leichte Bogen dieses Weges ein Zeugnis seiner Anwesenheit über einen noch viel größeren Zeitraum hinaus, auch wenn von Ihm, von seinem Stamm nichts mehr sichtbar wäre. Keine Erhebung, kein Nichts. Tags darauf kehre ich zurück. Zersägt und aus dem Weg geräumt, achtlos den Hang hinabgestoßen die Abschnitte des Stammes, von Größe keine Spur. Es bleibt der Anblick eines aus dem Weg geräumten Hindernisses, mehr nicht. Der gerade Weg ist wieder hergestellt. Wie eigenartig, denke ich, der Weg der Erholung, wozu er ja an diesem Ort dient, er würde doch Raum haben für ein Ausweichen, ein Umfließen, ein Innehalten, ein Spiel!

Und darum laufe!