Tunnel

Einmal, denke ich, gehe ich diesen Tunnel hinauf. Es wird ganz einfach sein, leicht und frei. Und ich erheitere in dieser Vorstellung, nehme ich doch eine unvorstellbar große Anzahl an Tunneln wahr, die ich bereits hinaufgegangen bin. Jeder Moment erscheint mir wie ein Tunnel, mal leicht mal mühsam oder widerwillig beschritten. Auch geängstigt oder zornig. Die Endlichkeit als eine Vorstellung des Moments. Wie heiter, dass der Moment soetwas gebiert wie eine Vorstellung von Endlichkeit.

Und darum laufe!

Kotau

Sich niederwerfen, den Kopf auf den Boden stoßen vor etwas, welches der Ehrerbietung würdig wäre. Etwas also zu suchen, welches makellos wäre, vollkommen makellos, um in gebührendem Abstand, fern von jedem Zweifel, ferner noch von jeder Kritik, sich niederzuwerfen. Die sogenannte Große Verbeugung, die Volle Verbeugung. Und so vergeht mein Leben auf der Suche nach dem Ort, dem Moment, der Gelegenheit, der Persönlichkeit, vor der eine solche Niederwerfung möglich wäre. Ohne Heuchelei, ohne Furcht oder Angst, völlig aus dem inneren Empfinden heraus. Und so vergeht mein Leben in wiederkehrenden Enttäuschungen, denn menschliches ist Menschliches. Heilige Orte habe ich gesehen, ganz sicher. Erhabenheit, den Sternenhimmel, aber, ohne die innere Haltung, welche sich müht um diese Begegnung, habe ich auch eine völlige Leere empfunden. Mein Weg, er ist sich hinzu zu bewegen auf die Bereitschaft, sich zu verneigen. Ich kann mich vor Dem-Sich-Verneigen verneigen. Denn darin wird es wahr, das Heilige.

Und darum laufe!