Admirare

Zu Bewundern – wir verwirklichen uns dort, wo wir die Schönheit bewundern. Eine Blüte, ihr Duft, der Tautropfen, das sich in ihm spiegelnd brechende Licht. Es ist ein Wunder darin, welches wir in den Kelch der Blüte legen und alle Rätsel, die dir begegnen sind kleine Wunder.

Und darum laufe!

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Die Kursive

Ein Schriftschnitt aus einer Schriftfamilie. Ihr Wesen ist bewegt. Laufend, ohne zu eilen, eher fließend, dabei keineswegs flüssig. Von dem lateinischen Verb currere für Laufen ist der Namen abgeleitet. Die Kursive ist eine eigene Form, aus dem Geist der Ausgangsschrift heraus entwickelt, doch dabei ein entschieden eigener Schriftschnitt. Die Ausgangsschrift und ihre Kursive ergänzen einander. Sie harmonieren miteinander. Darin benötigen sie einander, um das jeweils eigene Wesen deutlich werden zu lassen. So wird die Kursive zu einer Auszeichnung in dem Meer der Ausgangsschrift. Die wörtliche Rede, der Ruf des Naturwesens, die Stimme aus dem Inneren, die Mahnung, der Ausruf – dahin mündet der Strom an Gedanken und er ist in der Kursiven gesetzt. Die Stille des Denkens begegnet hier dem Laut des ausgesprochenen Gedankens. Der Eigenname, in der Kursiven gesetzt, wird eingeführt und erkannt. Einmal erinnert ist er integriert. Die Kursive als ein Mittel, um den Schatz an Worten zu erweitern. Die Kursive folgt der Logik der Nachfrage:

Wie also lautet der Name dieses Helden? Wie also lautet der Name dieser Göttin? Wie also lautet der Name dieses Gottes? Wie also lautet der Name dieser Heldin?

Es ist dein Name. Sprich ihn laut vor dich hin. Sprich aus, wie dein Name lautet, im Rhythmus deiner Schritte. Glaubst du dir, wenn du diesen Satz hörst, so sprich ihn so lange vor dich hin, bis aus deinem Namen ein Laut wird, leer und frei. Glaubst du dir nicht, wenn du dich deinen Namen sagen hörst, so sprich deinen Namen so lang vor dich hin, bis du und dein Name eins werden.

Und darum laufe!

 

Vor dem Bewusstsein

Worte, die durch mich hindurchgehen. Wortketten, Sätze, Erzählungen. Worte, die in mich eindringen, von außen und andere, die in mir entstehen. Wortketten, Sätze, Erzählungen. Worte, gebunden an Empfindungen. Gefühle, die sich in Worte kleiden und doch darin vollends wahr sind. Gefühle, die in völliger Übereinstimmung mit den Worten sind. Eine Trennung ist nicht möglich oder notwendig. Wortketten, Sätze, Erzählungen. Manche der Worte fallen wie Laub von einem Baum an einem sonnigen Herbsttag. Das ist ihre Bestimmung und Ausdruck des steten Wandels, der Veränderung und der Eingebundenheit in die großen Zyklen des Seins. Blätter im segelnden Flug, je nach Form, im Spiel mit dem Wind. Ein jedes Blatt eine Erfahrung. Ein jedes Wort eine Erfahrung. Andere Worte, die in mir kreisen. Die ihre Kraft, sich zu vergegenwärtigen aus dem Gefühl beziehen. Sie hinabzudrücken gelingt mir nicht. Nur wenn ich durchlässig werde, gleiten auch sie hinab. Nur wenn ich mit Ihnen auch von dem Gefühl loslasse, an welches sie gebunden sind, gleiten sie hinab. Bis ich leer bin, völlig leer. Ich bin jetzt nicht gefühllos, auch wenn es so erscheinen mag. Ich bin voller Mitgefühl, weil ich leer bin. Weil ich ohne Erinnerung bin. Es ist noch zu erahnen, in den uns wertvollen Momenten, dass es eine wortlose Zeit gab. Eine Zeit ohne Erinnerung. Eine Zeit vor dem Bewusstsein, welches uns so gründlich täuscht.

Und darum laufe!

 

Abzweigung

In dem Wort das Bild sich bereits befindet. Auf dem Weg gibt es immer wieder Gabelungen und an ihnen Kräfte, denen ich in dem entscheidenden Moment vertraue. Eine Blume, ein Vogel, eine Wolke mag mir helfen, die Entscheidung zu treffen. Es kann auch ein Mensch sein. Und so treffe ich die Wahl und laufe weiter. Einem Baume gleich mein Leben sich verzweigt und hier nun von des Blattes Spitze, der Blüte im Insektentanz, blicke ich zurück. Von diesem Orte aus ist zu erkennen: Der Baum selbst zu sein, ich sollte es nicht glauben, um mein Ego mit dem Wahn von Größe zu besänftigen, ich sollte es glauben, weil es die Wahrheit ist.

Und darum laufe!