Spiel

Jenseits des Waldes, noch hinter dem Park, der an den Wald grenzt, befindet sich eine gepflasterte Fläche. Ein Platz, auf dem zu bestimmten Zeiten Waren in Marktständen angeboten werden. Dort wo das Wasser über die Jahre sich auf den Steinen hat sammeln können, ist das Pflaster ein wenig abgesunken und eine kreisrunde Pfütze steht dort spiegelnd und schwarz. Es hat in der Nacht geregnet und die Pfütze ist so schwarz, als wäre unter ihrer Oberfläche ein tiefes Gewässer. Ein Kind mit einem Fahrrad steuert auf die Pfütze zu. Und der Radius des engsten Kreises, den dieser vielleicht fünf-jährige Junge fahren kann, ohne einen Fuß abzusetzen, ist ein wenig kleiner, als der Radius der Pfütze. Er ist souverän, sicher und er fährt Kreis um Kreis. Dann verlässt er die Pfütze und zeichnet mit den nassen Reifen größere Kreise um die Pfütze herum. Und es entstehen Ellipsen und Überlagerungen von Ellipsen. Ein Gewirr aus Linien, die bald wieder verblassen, deren Feuchtigkeit verdunstet. Seine Eltern lassen den Jungen gewähren und ich verstehe, was auch mir gewährt wurde, dass es mich solcherart berührt, diesem Spiel zuzusehen.

Und darum laufe!

Selbstorganisation

Wenn es einen Tag gibt in der Woche, der die Übung in sich birgt, so gibt es dort eine Struktur, die über Jahre hin ausgeführt, stabiler und verlässlicher wird. Ich werde laufen, ist dieser Tag erreicht. Er ist der Lauftag und ich strebe dem Ideal entgegen, der Struktur, die mir Erfüllung ist. So organisiert, erlebe ich Wirksamkeit, Wahrhaftigkeit und Wahrheit. Ich bin hoffnungsvoll, voll Freude, glücklich geradezu, weil meine Bedürfnisse befriedigt, weil die Struktur mich birgt und behütet. Ich folge, doch das Leben ist es nicht! Die Freiheit ist es nicht. Es ist ein Versuch, etwas der großen Wahrheit, dem großen Mysterium zu entgegnen. Eine Selbstbehauptung. Und darin eine Behauptung nur. Denn ich verändere mich von Tag zu Tag. Ich muß das anerkennen. Ich altere, das ist gewiß. Und so sind die Pläne von heute geradezu albern im Angesicht des Morgen. Ich lächele über mich. Das bin ich vielleich: der Versuch einer Strukturierung! Das ist das, was ich ein Selbst nenne, dieser Versuch dazu. Dieser Versuch trägt meinen Namen. Ich spiele damit. Im Spiel, so las ich einmal, ist der Mensch ganz Mensch. Der Mensch im Wesen, er sei ein spielender Mensch. Ein Spiel mit der Strenge des mir selbst erdachten Planes.

Und darum Laufe!