Nabelschnur

Einmal gebrauchte ich ein Bild. Warum lebst Du in dieser Stadt? wurde ich gefragt. Was macht ein Leben in ihr möglich? Und ich sprach von einer Nabelschnur. Der Weg an dem Bach, der in die Stadt fließt und dann in den Strom mündet, er wäre für mich wie eine Nabelschnur, die hineinführt in den Wald, in den ich so regelmäßig laufe. Dort erhole ich mich und kehre dann zurück. Und hier im Laufen, inmitten dieser Schur, in den pulsierenden Strom wird mir das Wesentliche dieses Bildes bewusst: Ich laufe dem Ungeborenen entgegen, dem Embryo, welches mein ungeborenes Selbst ist. Es ist das Unberührte zudem. Mein Wesenskern liegt dort tief im Wald zusammengekauert und ich bin dieser Wesenskern, ganz rein, klar und unberührt, wenn ich nach einer Stunde des Laufens dort angelange. Von dort kehre ich zurück über die Nabelschnur in die Stadt an dem Strom, die in diesem Bild die Plazenta darstellt. Die Stadt, die mich ernährt, mit Begegnungen und Aufgaben versorgt. Das Bild fragt mich nun: Wann wirst Du geboren? Wann ist es soweit?

Und darum laufe!

Sterne

Ich laufe, ohne zu laufen. Ich denke, ohne zu denken. Ich empfange, ohne zu empfangen. Ich stimme mit dem, was mich umgibt überein. Darin ist alles in Harmonie. Alles ist geborgen in dem Einen. Das zu Leisten, meine Aufgabe ist. Dass es das Eine sei. Und ich hole die Sterne herab, eine funkelnde Schar in meiner Hand, in meinem Herzen. Und ich sende die Sterne hinauf, eine funkelnde Schar in meinem Herzen, in meiner Hand.

Und darum laufe!

Zu springen

Zu ermüden an dem Scheitern, an der sich nicht wandelnden Form, an der Bedingtheit. Denn durch sie hindurchzugehen überfordert die eigenen Kräfte. Und so ist alle Kraft hineingesteckt in das Aufrechterhalten dieser Form. Eine leichte Ahnung davon, wie ein silbriger Schimmer, was das Leben sein könnte an Freiheit, an Erfüllung, an Glück – eine leichte Ahnung davon ist dort zu erkennen, in der Mitte des brennenden Rings, durch den hindurchzuspringen ich Jahre schon zögere. Weiß ich doch, es gibt nur diesen Weg. Das Feuer wird mich versehren, erst Haut und Haare versengen, mich verkohlen wie ein Stück Holz, schließlich in mir erlösen, was an geneigter Körperhaltung, an erschlaffter Körperform sich über Jahre hin manifestierte. Ein freier Körper auch wird dort auf der anderen Seite auf mich warten. Er ist mir versprochen. Und dies der Trost: Der Ring aus Feuer, aus ihm heraus blicken mich meine Ahnen an. Ihre Augen aus den Flammen heraus mir entgegenleuchten. Erkennen kann ich sie erst, wenn ich gesprungen bin. Ihre Güte, ihre Wärme, ihr Mitgefühl und ihr Vertrauen in mich. Ihr Verständnis zudem und ihre Liebe. Und so erlöst sich der ganze Schrecken dieses Spieles. Die Logik ist erkannt. Doch zu springen ich habe, hinein in dieses Feuer.

Und darum laufe!