In der Nacht

Ich versuche, das Universum zu verstehen. Die Vielzahl. Die Unendlichkeit. Ich versuche, all die Vorstellungen zu verstehen, dazu die Idee davon, dass all diese Vorstellungen wahr sind, oder auch nur die Möglichkeit, eine dieser Vorstellungen sei wahr. Ich finde Erkenntnisse und Beweise, um dem noch viel größeren gegenüberzustehen,. Diesem höheren und zugleich tieferen Prinzip. Wie schön, dass auf eine Vorstellung eine weitere folgt. Ganz sicher also ist dort die Vielzahl an Sternen in der Nacht, die Milchstrasse in ihrem Band, die sich über den Nachthimmel zieht. Ich bin also hierher gelangt, um ein Subjekt zu sein. In dieser tiefen Entfernung empfinde ich die Einsamkeit des betrachtendenden Menschen, des Menschen, der vollkommen getrennt sich wahrnimmt und etwas anderem gegenübersteht. Was für eine erstaunliche SItuation, in die ich hier hereingeraten bin. Ich möchte sie würdigen, so leidvoll sie von mir immer wieder empfunden ist. Was ist dieser eine Same, den ich aus dieser tief empfundenen Einsamkeit heraus gewinne? Er ist – und ihn einzupflanzen bin ich gekommen. Ihn zu pflegen, ihn zu behüten, ihn zu begiessen bin ich gekommen – der Same ist, gedacht zu werden von dem Universum, von der Vielzahl, von der Unendlichkeit gedacht zu werden. Der Same ist, erdacht zu sein, darin völliges Objekt. Dabei vollkommen verbunden zu sein, ein Teil des Geistes aus dem Geiste heraus. Ich selbst, eine Vorstellung zu sein dieses Geistes. Wie schön! Warum nur feiern wir nicht diesen Moment?

Und darum laufe!

Alles innerlich

Es ist nicht der Ort, denn alles ist innerlich. Und es ist auch der Ort, in einem gewissen Sinne und doch ist alles innerlich. Es ist innerlich, weil an dem Ort nur, vielleicht auch mehrfach, etwas besonderes, eine besondere Empfindung erlebt war. Die Leichtigkeit. Der weiche sandige Weg unter lichten Laubbäumen, des Ortes Möglichkeit, seine Fähigkeit übereinzustimmen, mit dem, was ich in ihn hineintrage. Darin ist eine Bedingung erfüllt, doch es ist nicht der Ort, weil alles innerlich ist. Ich habe mißverstanden und geglaubt an den Ort vielleicht nicht zurückkehren zu können. Doch ich verstehe heute, nachdem ich den Weg abgekürzt habe und zu meiner Überraschung nun an diesem Ort tatsächlich angekommen bin: Sein Zauber, der Zauber der Leichtigkeit, ich trug ihn ehedem hierher, die Leichte, sie war mein Geschenk an diesen Ort, welches ich über den Weg dorthin mir erst erworben hatte. Ein innerlicher Vorgang der Klärung, der Reinigung, der hier nur mir bewusst wurde. Alles innerlich also. Und doch ist es auch der Ort.

Und darum laufe!

Der einsame Weg

Und ich leide unter der Abwesenheit. Die Kälte umweht mich und zieht in mich ein, sodass ich ein völlig neues Gefühl von mir selbst erlange. Die Form meiner Knochen, durch die in sie einziehenden Kälte ist sie für mich zu erspüren. Ein Empfindungsgebilde aus Kälte. Die Muskeln dazu, Sehnen und Flüssigkeiten. Und ich bin auf diesem einsamen Weg, um mich solcherart neu zu erfahren. Ich lasse gewähren, was an Kraft mich hierherzieht, mich treibt, mir befiehlt. Denn es ist der Moment der Einsamkeit, der mir die in diesem Moment höchste Erkenntnis vermittelt. Es ist der schwerste aller Wege und er ist gefährlich. Immer suche ich den in diesem Moment für mich schwersten Weg. Das ist so in mir angelegt. Es ist leidvoll und ich will aus diesem finsteren Traum erwachen und das Leid als Scheme, als Täuschung, der zu folgen ich wohl gelernt habe, entlarven. Ich will das Leid loslassen und die Freude empfangen. Leicht und liebevoll leben, bewusst und heil. Doch mein Wille zählt nicht, vielleicht noch nicht. Der einsame Weg, ich ringe mit mir, kaum auszuhalten, Zeit , die wie ein Gebirge vor mir aufragt, mich zu erdrücken droht. Doch ich stabilisiere mich, atme, bewege mich. Ich erkenne den Rest in mir, der handlingsfähig bleibt in diesem Entgleiten, welches mich zieht. Hindurch durch die Einsamkeit, dachte ich, um zurückzukehren, immer wieder zurückzukehren. Und verändere ich mich. Der Druck lässt nach, Gewöhnung, Vertrautheit entsteht. Ich erblühe in mir. Unsichtbar für und vor allen, wie niemandem. So viel ist verloren, es ist losgelassen und ich bin nicht allein. Ich bin frei und das fühle ich so, wie ich es vielleicht noch nie zuvor gefühlt habe. Keine Erwartungen mehr. Vor mir bin ich frei und was andere von mir glauben, ich kann es vollkommen anderen überlassen. Ihr Glaube gehört ihnen und wenn sie glauben, etwas glauben zu müssen, so ist das eine Entscheidung. Dies hat mit mir überhaupt nichts zu tun. Immer spreche ich nur von mir selbst, immer ist alles, was mir entgegentritt ich selbst. Und darin ist das Selbst keine Beschränkung, kein Gefängnis und ebensowenig eine Anmaßung oder ein Ausdruck für Hochmut. Gelassen blicke ich auf die Entsprechnung von Selbst und Welt und lass auch diese los. Wie eine Täuschung, wie der Nasenring, durch den ich durch die Manege des Seins geführt werde. Nur, ich glaubte, dies sei ein Abschnitt des Weges, der einmal wieder zurückführen würde. Eine Krise sozusagen. Eine Phase meines Seins. Doch ich erkenne die völlige Offenheit. Und so tief in die Ensamkeit vorgedrungen, verstehe ich, es ist vielleicht der erste Stein eines im Urwald verborgenen Tempels, den ich gerade entdeckte.

Und darum laufe!

Transparent

Eine Verpflichtung mich ruft und im Gehen blicke ich auf den Park, in dem ich am Vortag meine Runden drehte. EIn paar langsame, weil ich schneller nicht konnte, dann eine schnellere, die sich wie von selbst, aus sich selbst heraus ergab, dann eine in der ich den Mut fasste, auszuprobieren, was mir wohl möglich wäre, dann eine zum Verschnaufen, für die Langsamkeit, um dann in der höchsten mir möglichen Geschwindigkeit zu fliegen, den paar verbleibenden Metern entgegen. So hatte ich es erlebt am Tag zuvor. Und nun also die Verpflichtung, die mich ruft, das Warten auf die Strassenbahn und der Blick in den Dunst des kühlen Morgens, der über der Wiese steht, um die herum die Bahn sich windet. Und in diesem verharrenden Moment verstehe ich ganz deutlich und klar: Dort bin ich! Dort an der Grenze meiner Leistungsfähigkeit, dort wo ich mich selbst herausfordere, mich ansporne und mich selbst belohne mit der Erfahrung des Ertrags, mit den Früchten des Trainigs, der Erweiterung meines Vermögens. Dort bin ich, und ich komme mir nah, ziemlich nah, ich kann mich, der ich doch von mir selbst immer noch getrennt ist, spüren, ich kann meinen Atem spüren, zudem den Atem meines anderen Selbst, welches vor mir läuft. Ich kann mich mit mir selbst gerade so eben, für diesen einen Moment in Übereinstimmung bringen. Zwei Bilder, transparent, in Deckung gebracht, zu höherer Deutlichkeit gebracht. Die Unschärfe des Selbst ist wie vergessen. Dort bin ich, ich spüre es ganz deutlich und es zieht mich etwas wie magisch dorthin. Und solcherart angezogen zu sein, ist freudig, fröhlich, lebendig und schön. Wenngleich ich mich in diesem Moment ein wenig gezwungen fühle, dorthin werde ich streben. Wannimmer ich die nächste sich mir bietende Gelegenheit erkenne. Ich weiß es ganz genau. Ich werde dorthin streben. Vielleicht bin ich gerade abgehalten durch etwas, eine Verpflichtung. Doch dort, das bin ich und ich werde es erleben, Ich zu sein.

Und darum laufe!

Geborgenheit

Es ist nicht so, dass dieses EIN Wald ist. Es ist nicht so, dass dies eine Form ist, die bevölkert und betreten ist von Wesen, die aus dem umliegenden Raum hereintreten. Vielmehr ist dies eine VIELZAHL von Wäldern, die unterschiedlich sind und dabei doch aus identischen Bestandteilen bestehen. Die Anzahl dieser Wälder ist so groß, wie die Anzahl der Menschen, die hereintreten. Und zudem, ganz sicher ist diese Anzahl nicht nur auf uns Menschen beschränkt, nur weil wir uns nicht die Mühe machen uns das über uns Hinausgehende vorzustellen. Pflanzen, Tiere und noch viel mehr. Die Anzahl der Wälder, ich stelle sie mir als unfassbar groß vor. Und dies hat nichts zu tun mit einer Wissenschaft der Erkenntnis, die etwas als radikal denkt. Es ist vielmehr so, dass es dort ein Gefühl gibt, welches einfach sofort da ist, wenn ich diesem Gedanken folge. Der Gedanke ist: Der wald ist sooft da, wie es Menschen gibt, die ihn betreten. Das Gefühl, dass aus diesem Gedanken heraus in mir entsteht, es ist ein Tor durch welches ich schreite und jetzt und sofort ist es nun der eine Wald, in dem ich mich bewege. Der eine Wald, und eine tiefe, wahre Geborgenheit umschließt mich vollends. Dies ist die von mir lang ersehnte Annahme durch die Welt. Es ist eine Verwirklichung meines Seins in diesem Moment der Übereinstimmung und der Harmonie.

Und darum laufe!