Die spirituelle Kraft

Die von mir vermisste, so abwesend sich anfühlende, die geistige Kraft, ihre Eingebung empfange ich dort, wohin ich laufe: In der Senke des Tales über dem Bach. Dort liegt sie wie ein frischer Morgennebel. Unterhalb von dem Nivau, von dem ich ausgehe, auf dem ich zweifele, zögere, mich martere in Gedanken. Und ich tauche ein in das Leichte, das in mich Einströmende ihrer Substanz. Ich vertraue, bin geborgen. immer wieder.

Und darum laufe!

Laufender Mann

Ratlos ich bin und ermahne mich, langsamer zu laufen, wo ich doch getrieben zuvor mich mühte, schneller zu laufen. Schneller als die Ratlosigkeit, um ihr zu entkommen. Doch mein Körper ist erschöpft von der hohen Geschwindigkeit und ich gebe nach, laufe langsam, ganz langsam. Ich stehe fast und doch erreiche ich vor mir auf dem Weg eine Schulklasse. Ich setze an, sie auf dem schmalen, unebenen Weg zu überholen. Ich ziehe an der langezogenen Gruppe junger Menschen vorbei, die sich freudig unterhält, die Kühle des Grundes ausgelassen genießt, so wie. Ich schlängele mich um die Schüler herum, weiche aus und eine Stimme aus dem hinteren Teil der Gruppe ruft: Achtung, laufender Mann! Die Stimme ermahnt die Vorderen, den Weg freizugeben. Laufender Mann! Ich fühle mich genau so. Ich fühle mich sachlich und würdig beschrieben und zugleich angesprochen. Einfach und wahr fühle es sich an, richtig und angemessen. Kein Unterton, kein Spott, keine Häme. Einfach: Laufender Mann! Was ist nun mit der Ratlosigkeit?

Und darum laufe!

Grundformen der Freude

Sich zu entfernen von den Menschen, es birgt die Freude, sich selbst begegnen zu können, sich selbst nah zu gelangen. Unteilbar sich wahrzunehmen, vollkommen selbst-verständlich zu sein, als mit sich selbst übereinstimmend, sodass das Wort, ist es ausgesprochen, in Einfachheit und ohne Zweifel, vollkommen ausdrückt, was es bezeichnet: Ich. Dieses Ich ist nicht kursiv geschrieben oder gedacht, nicht in Versalien oder in Anführungszeichen gesetzt, es ist einfach und klar: Ich! Sich anzunähern an die Menschen, zu begegnen, ihnen nah zu sein, es birgt die Freude, in ihren Kreis einzutauchen. Es birgt die Freude, aufgenommen zu sein, angenommen als Individuum. Es birgt die Freude, zu erfahren, dass eine Gruppe, ein Kreis sich öffnet, um sich zu erweitern. Ein Kreis macht sich verletzlich, um in der Bereitschaft mich aufzunehmen, mir zu zeigen, dass ich wertvoll bin, ein bereichernder Beitrag sein kann, begehrt und ersehnt. Und dass ich vielleicht genau der ihn vervollkommnende Teil bin, dass ich genau das bin, was ihm fehlt. Und ich löse mich auf, gebe mich hin, habe ich doch gelernt darin mich zu wahren, unteilbar zu bleiben. An sich eine Sache zu erfahren, es birgt in sich die Freude, in dieser Sache geübter, erfahrener, besser zu werden. Auch vorzudringen zu einer inneren, schon immer vorhandenen Wahrheit, von dieser Sache, dieser Disziplin, die nicht benennbar ist, heilig und schön. Dieses innere Wissen von der Sache, es zu heben, es in unserer Praxis zu verwirklichen, macht uns zu dem Genie, zu dem andere aufschauen. Andere versuchen nachzuempfinden, denn es beseelt und strahlt aus. Sich anderen zu widmen, jüngeren, unerfahreneren und ihnen zu berichten von dem über die Erfahrung Errungenen, es birgt die Freude ganz voller Mitgefühl zu sein. Das eigene Erblühen in seiner bejahenden Kraft, ist in mir empfunden, dort wo sehe, wie ein anderer wiederum erblüht. Ich gehe über mich hinaus, in der Empfindung des Mitgefühls. Den Reichtum, den ich mir auf meinem Weg erwarb, in Schmerz und Freude, gebe ich fort, ohne dass er sich schmälern würde. Ich teile Erfahrungen, Begegnungen mit mir selbst und der Welt. Teile Erfahrungen mit dem Absoluten, dem Unbenenbaren und der diesem innewohnenden Kraft, für die zu leben, ich als Geschnk empfinde. Ich eröffne den Raum für die eigene Empfindung, weil ich einmal erfuhr: Nur dadurch, dass mir der Raum eröffnet wurde, war ich in der Lage zu dem eigenen an dem Universellen zu finden. Ich stehe nicht im Weg und bin bereit, mich zurückzuziehen, vollkommen, wenn es dem anderen dient auf seinem Wege.

Und darum laufe!

Transparent

Eine Verpflichtung mich ruft und im Gehen blicke ich auf den Park, in dem ich am Vortag meine Runden drehte. EIn paar langsame, weil ich schneller nicht konnte, dann eine schnellere, die sich wie von selbst, aus sich selbst heraus ergab, dann eine in der ich den Mut fasste, auszuprobieren, was mir wohl möglich wäre, dann eine zum Verschnaufen, für die Langsamkeit, um dann in der höchsten mir möglichen Geschwindigkeit zu fliegen, den paar verbleibenden Metern entgegen. So hatte ich es erlebt am Tag zuvor. Und nun also die Verpflichtung, die mich ruft, das Warten auf die Strassenbahn und der Blick in den Dunst des kühlen Morgens, der über der Wiese steht, um die herum die Bahn sich windet. Und in diesem verharrenden Moment verstehe ich ganz deutlich und klar: Dort bin ich! Dort an der Grenze meiner Leistungsfähigkeit, dort wo ich mich selbst herausfordere, mich ansporne und mich selbst belohne mit der Erfahrung des Ertrags, mit den Früchten des Trainigs, der Erweiterung meines Vermögens. Dort bin ich, und ich komme mir nah, ziemlich nah, ich kann mich, der ich doch von mir selbst immer noch getrennt ist, spüren, ich kann meinen Atem spüren, zudem den Atem meines anderen Selbst, welches vor mir läuft. Ich kann mich mit mir selbst gerade so eben, für diesen einen Moment in Übereinstimmung bringen. Zwei Bilder, transparent, in Deckung gebracht, zu höherer Deutlichkeit gebracht. Die Unschärfe des Selbst ist wie vergessen. Dort bin ich, ich spüre es ganz deutlich und es zieht mich etwas wie magisch dorthin. Und solcherart angezogen zu sein, ist freudig, fröhlich, lebendig und schön. Wenngleich ich mich in diesem Moment ein wenig gezwungen fühle, dorthin werde ich streben. Wannimmer ich die nächste sich mir bietende Gelegenheit erkenne. Ich weiß es ganz genau. Ich werde dorthin streben. Vielleicht bin ich gerade abgehalten durch etwas, eine Verpflichtung. Doch dort, das bin ich und ich werde es erleben, Ich zu sein.

Und darum laufe!

Unteilbar

Eine Hand voll Sand, auf der ich laufe. Unübersehbar, unüberschaubar, unzählbar, ungreifbar. Darin ein Korn, ein einziges Sandkorn. Dieser Schritt, auf dem ich meditiere, das eine Sandkorn, in das hinein ich mich versenke. Eingefroren in der Zeit, das einmal begonnene, das Bewegte läuft weiter und es ist kein Widerspruch. Dies eine Korn auf, dem ich meditiere, in das hinein ich mich versenke. Es ist: unteilbar. Es ist: Selbst. Es ist: Ich. Und ein Kranz von Strahlen ragt hinein in das Zentrum meines Kopfes, aus unendlich vielen Himmelsrichtungen. Strahlen, die hineinführen in dieses eine Sandkorn, so sehr, dass von einem Strahl nichts mehr zu sehen ist, ein Leuchten nur. Es ist: unteilbar. Es ist: Selbst. Es ist: Ich. Es ist: Liebe.

Und darum laufe!

Heiter

Es ist ein Blick heraus, aus dem, worin ich bin. Ein Blick hinauf auf eine kleine Anhöhe. Lichte, helle Bäume, heitere Leichtigkeit. Die Bäume stehen vor dem Himmel in den hinein ich blicke. Ich wünsche mir an diesen Ort einmal noch zu gelangen. Der Weg ist leicht gewunden und ganz deutlich verstehe ich: Immer war dieser Ort, wenn ich an ihm vorbeil lief, durch ihn hindurch lief, ein Ort, der mich beschenkte mit der Heiterkeit, der Leichte, der Erfüllung. Ein Paradies, so wie ich in der Lage bin, ein Paradies zu empfinden. Und nun erinnere ich, nun ruft sich dieser Ort in Erinnerung, wo ich ganz gedankenversunken in meiner Eile atme und ruhe, wo ich warte. Zeitloser Raum, stierender Blick, ohne Focus, ohne Ziel. Leer und endlos dieser Blick. Dieser Ort, er ruft sich in Erinnerung und zugleich ist er in dieser Rast, in dieser Versenkung, die, erschöpft vom Eilen, mir nun einmal gelingt. Lang ist es her, dass dies gelang. Doch innerlich, ganz innerlich bin ich hier und zugleich ganz dort, ganz gleich das alles, doch heitere Leichtigkeit mich trägt: Alles ist gut!

Und darum laufe!

Freiheit

Was nützt es, den Kuckuck zu töten, nur weil wir glauben, er wäre ein Bote des Todes? Die Welt wäre ärmer um ein Wesen, wir wären zu Tätern geworden, in Schuld verstrickt. Die Angst vor dem Tode, sie müsste hinab sinken in das Schattenreich ohne einen Boten, der uns mahnen würde, hinzusehen. Sie anzusehen, die Angst vor dem Tod und den Tod selbst. Die Magie wäre verneint und Sinn und Zusammenhang wären verloren. Mir ist des Ruf des Kuckucks eine Freude. Sie ist mir eine Erinnerung an die Freiheit und davor eine Erinnerung an meine Angst vor der Freiheit. Auch sie eine Freude.

Und darum laufe!

Zu Singen

Du kannst es heraus singen, nachdem Du es innerlich versucht hast. Ich—bin—dank—bar. Zu Laufen und zu Singen widersprechen einander nicht. Die Schwingung der Melodie geht durch jede Zelle Deines Körpers. Niemand hört Dir zu. Hab keine Scham. Singe laut, lauter noch und das über einen Zeitraum hinweg. Eine Stunde vielleicht. Ich kann laufen, zugleich singen. Zudem ist mein Geist völlig frei, beweglich. Wie wunderbar! Die einfache Melodie singt sich wie von selbst. Wenn ich selbst sie bin. So geht es immer weiter, bis mein Geist wieder Raum hat für die unter diesem Einfluß der Dankbarkeit stehenden Gedanken. Das sind schöne Gedanken. Dieser selbstlose Gesang wird natürlich gehört. Er schwingt hinauf und hinab in die Erde und den Himmel über Dir. Scham zu singen solltest Du vor diesen Dimensionen nicht haben, sind sie doch ohnehin informiert über jede Schwingung, der Du Dich hingibst, hingegeben hast, hingeben wirst.

Und darum laufe!