Das Absolute

Der Herbst als die Zeit der Spinnen, die ihre Netze aufspannen. Fäden silbrig in den Raum hineingewoben und ich lasse mir sagen, es gäbe 700 Trilliarden von Sonnensystemen, die wie das unsere, Planeten in sich bergen. In mir erhebt sich die Vorstellung von einer unfassbar großen Anzahl an Planeten. Eine Vorstellung die beunruhigen kann oder ebenso ein großes Vertrauen hervorrufen kann. In der Unfassbarkeit sich geborgen oder eben verloren zu fühlen, sind gleichberechtigte Möglichkeiten. Ich entscheide mich für eine dieser Möglichkeiten und stehe mit jedem Tag erneut vor dieser Entscheidung. Ganz sicher, das Licht, so wie es die silbrigen Fäden in der Reflexion sichtbar werden lässt, die Netze als feine, filigrane vom Wind bewegte Gebilde erscheinen lässt, es muss sich hier an diesem Ort genauso verhalten, wie an jedem der möglichen, der von mit imaginierten Orte dort draussen in der unerreichbaren Ferne. Von dem Licht geht alles aus und dieses Licht muss sich in diesen vielleicht 700 Trillionen von Sonnensystemen ebenso verhalten, wie es dies hier tut. Das Licht, es ist das Absolute. Sieh hin, es ist in Allem!

Und darum laufe!

Grundformen der Freude

Sich zu entfernen von den Menschen, es birgt die Freude, sich selbst begegnen zu können, sich selbst nah zu gelangen. Unteilbar sich wahrzunehmen, vollkommen selbst-verständlich zu sein, als mit sich selbst übereinstimmend, sodass das Wort, ist es ausgesprochen, in Einfachheit und ohne Zweifel, vollkommen ausdrückt, was es bezeichnet: Ich. Dieses Ich ist nicht kursiv geschrieben oder gedacht, nicht in Versalien oder in Anführungszeichen gesetzt, es ist einfach und klar: Ich! Sich anzunähern an die Menschen, zu begegnen, ihnen nah zu sein, es birgt die Freude, in ihren Kreis einzutauchen. Es birgt die Freude, aufgenommen zu sein, angenommen als Individuum. Es birgt die Freude, zu erfahren, dass eine Gruppe, ein Kreis sich öffnet, um sich zu erweitern. Ein Kreis macht sich verletzlich, um in der Bereitschaft mich aufzunehmen, mir zu zeigen, dass ich wertvoll bin, ein bereichernder Beitrag sein kann, begehrt und ersehnt. Und dass ich vielleicht genau der ihn vervollkommnende Teil bin, dass ich genau das bin, was ihm fehlt. Und ich löse mich auf, gebe mich hin, habe ich doch gelernt darin mich zu wahren, unteilbar zu bleiben. An sich eine Sache zu erfahren, es birgt in sich die Freude, in dieser Sache geübter, erfahrener, besser zu werden. Auch vorzudringen zu einer inneren, schon immer vorhandenen Wahrheit, von dieser Sache, dieser Disziplin, die nicht benennbar ist, heilig und schön. Dieses innere Wissen von der Sache, es zu heben, es in unserer Praxis zu verwirklichen, macht uns zu dem Genie, zu dem andere aufschauen. Andere versuchen nachzuempfinden, denn es beseelt und strahlt aus. Sich anderen zu widmen, jüngeren, unerfahreneren und ihnen zu berichten von dem über die Erfahrung Errungenen, es birgt die Freude ganz voller Mitgefühl zu sein. Das eigene Erblühen in seiner bejahenden Kraft, ist in mir empfunden, dort wo sehe, wie ein anderer wiederum erblüht. Ich gehe über mich hinaus, in der Empfindung des Mitgefühls. Den Reichtum, den ich mir auf meinem Weg erwarb, in Schmerz und Freude, gebe ich fort, ohne dass er sich schmälern würde. Ich teile Erfahrungen, Begegnungen mit mir selbst und der Welt. Teile Erfahrungen mit dem Absoluten, dem Unbenenbaren und der diesem innewohnenden Kraft, für die zu leben, ich als Geschnk empfinde. Ich eröffne den Raum für die eigene Empfindung, weil ich einmal erfuhr: Nur dadurch, dass mir der Raum eröffnet wurde, war ich in der Lage zu dem eigenen an dem Universellen zu finden. Ich stehe nicht im Weg und bin bereit, mich zurückzuziehen, vollkommen, wenn es dem anderen dient auf seinem Wege.

Und darum laufe!

Der eine Tropfen

Trink nicht zu schnell, das Rinnsal zu mir spricht. Die Quelle ist stet und kühl, so, dass die zu einer Schale geformte Handinnenfläche schneller gefüllt ist, als ich dachte. So, dass die ganze Hand von der Kühle des Wassers durchzogen ist. Handinnenfläche um Handinnenfläche sauge ich ein und stille meinen Durst. So, dass meine Stirn zu schmerzen beginnt. Doch es gibt keinen Grund zur Eile, es herrscht kein Mangel. Alles was aus ihr hervorrinnt ist verfügbar und rein und licht und klar. Es ist mehr als ich je aufnehmen kann. Der einzelne lichte Tropfen all dessen enthält alles, was sie spenden kann. Den einen Tropfen kosten zu können, das ist es!

Und darum laufe!

Einander anzusehen

Wir läutern unser Licht in den Augen des anderen Menschen. In den Augen des Menschen, der uns entgegenkommt auf unserem Weg. Mag es nur ein ganz kurzer Moment sein, eine flüchtige Begegnung. Ein Blick nur. Es kann sein, dass wir offen blicken, ehrlich und zugewandt, liebevoll dabei. Und so strahlt auch das goldene in uns, unser goldener Schein aus den Augen des anderen Menschen auf uns zurück. Genau so ist es mit seinem oder ihrem goldenen Schein, der durch unsere Augen auf sie oder ihn zurückstrahlt. Einander anzusehen, ist der Weg.

Und darum laufe!