Ohne Absicht

Der riesende Schnee und ich verstehe Alles in der Tiefe der Erscheinung. Und es ist mir ganz deutlich in dem Kontrast der weißen Flocken, die vor dem Grün der Fichten tanzen. Eine jede Flocke ist zu erkennen. Ihre Bewegung ist ganz klar. Es ist klirrend kalt und auch das Feld der Flocken nehme ich wahr. In dem Feld der Flocken erkenne ich Strömungen und Richtungen. Bewegungen und Wirbel. Der Raum ist in seiner Tiefe geschichtet und der Abstand der einzelnen Flocken zueinander erscheint mir wie abgemessen. Und nun verstehe ich Nichts in dem Versuch, die Erscheinung zu beschreiben. Ich verstehe Nichts in dem Detail, welches in der Beschreibung kunstfertig formuliert ist oder auch nicht. Ich verstehe in dem Blicken und dem Stillewerden. Ein Moment ohne Absicht, reines Sein. Verzaubert, wie tot geradezu, eingefroren in dem Eispalast des offenen Schauens. Das Hingeben des Lebens an das Sein gelingt in diesem Palast. Mir ist garnicht kalt. Verzaubert bin ich. Ich erfahre, das Alles zu sein. Ich bin ein Teil des Spieles.

Und darum laufe!

Tor

Das ersehnte Glück, welches ich mir vergegenwärtige in Vorstellungen, Visionen und geatmeten Momenten. Ich stehe mittendrin und brauche mich nicht zu sorgen. Es ist so real, wie die einmal erahnte Sorge. Sie beide sind mein täglich Tun, mein Agieren und Reagieren, mein Wägen und Wagen. Ich stehe mittendrin in all dem und der Stille Tor zu öffnen, all dies mir offenbart. Der Stille Tor zu öffnen, mich befreit von der Illusion an Sorge und an Freude. Und ich muss mich nicht hinauf schwingen oder hinab. Dies alles entpuppt sich als meines Tages Lauf, mein täglich Tun, mein Agieren und Reagieren, mein Wägen und Wagen. Ich stehe mittendrin in all dem und der Stille Tor zu öffnen, all dies mir offenbart.

Und darum laufe!

Schnee, Schnee, Schnee

An der Wegkreuzung setze ich mich in den Schnee und verweile. Ich blicke in das fahle Morgenlicht, mein Atem steigt auf und vermengt sich mit den mich umgebenden Flocken. Die Flocken! Ich höre ihr Aufschagen auf die über meinen Ohren liegende Mütze. Wie eine Membran, ein vorgelagertes Trommelfell. Es knistert und trommelt und meldet der Flocken Dichte. Ich lausche.

Und darum laufe!

Sprechende Steine

Auf meinem Weg ein Stein zu mir spricht: Wie also ist es nun bestellt um Dein Ego, Dein Ablassen, Dein Dich Lösen? Und ins Mark getroffen, ich zusammensinke. Dem Stein ich antworte: Ich bemühe mich darum, wie weit, wie wenig mir gelingt, ich ahne davon, doch ich weiß es nicht. Dies ist meine Form, bis hierher. Anderes war mir nicht möglich, dies war mein Weg und ich bin noch dabei, was kommen wird, ist völlig offen …  Ein Moment der Stille uns versöhnt, ich den Stein nun frage: Wie nun ist es um Dich bestellt? Er mir antwortet: Ich liege hier, lasse mich zertreten, werde zu Staub, lasse mich ausspülen, verschwinde langsam aber stet, doch Dich nach Deinem Ego zu befragen, auch davon abzulassen, mir bisher noch nicht gelang.

Und darum laufe!

Lauftechnik – Die Stille

Lauf, wenn Du läufst, so still es nur geht. So leis, wie nur möglich. So sanft, wie nur möglich – fliege geradezu. Vom Atmen will ich hier nicht reden. Ich rede vom Setzen des Fußes auf den Untergrund. Ist es – das Setzen – so leis, daß Passanten Dich nicht hören, sie Dich nicht bemerken, wenn Du Dich von hinten ihnen annäherst, dann ist es gut. Denn jedes Geräusch ist Energie, über die Du verfügen könntest, wäre sie hier nicht in Schall gewandelt. Du könntest diese Energie aufbringen, um Dich vom Boden abzudrücken, Dich schweben zu lassen. Ist es so leis, Dein Laufen, daß der Zaunkönig von dem Schatten nur, den Du auf ihn wirfst, aufmerkt, so ist es gut. Kein Geräusch hat ihn gewarnt. Nichts eilte Dir voraus.

Jetzt laufe nicht etwa so, weil es Dir zugute käme, weil es Gelenke, Knochen, Sehnen und Muskeln schonen würde – das tut es ohnehin, das Leise-Laufen – doch hierum geht es nicht. Es geht nicht um Nutzen oder Zweck, nicht um Ertrag oder Erfolg. Laufe leis, sanft, der Erde zuliebe, auf der zu sein Dir gestattet ist. Laufe leis, weil Du ein Stampfen ihr nicht zumuten möchtest. Weil Du Ihre Sehnsucht nach Harmonie und Übereinstimmung wahrnimmst. Weil in allem, was Du tust sich Dankbarkeit ausdrücken soll, ihr gegenüber. Dankbarkeit für ihre Duldsamkeit, für die Kraft und Geborgenheit, die sie Dir schenkt. Dankbarkeit dafür, daß sie Dich nährt, Dir Raum gewährt.

Und darum laufe!