Vergebung

Als Getriebener zu laufen belastet. Es belegt mit Schwere. Die Schwere ist hineingetragen in den Wald. Es ist immer ein Laufen hinein in dem Moment, in dem die Schwere sich von mir löst, von mir abfällt. Und sie tut dies stets an einem ganz bestimmten Ort. Ich kann diesen Ort benennen. An ihm habe ich auch ganz bewusst versucht, all das an Begegnungen mit Menschen abzuladen, was zu lösen mir nicht möglich war. All das, was mich ängstigte, was mich bedrohte, was zu mächtig war. Zwang, Abgrund, Finsternis. Ich spreche von einer Lebensbedrängtheit. Und nun dieser Ort, an den ich immer wieder gelange. Ungefähr vier Kilometer entfernt, eine Brücke. Am diesseitigen Ufer es sich also staut und es bleibt hier abgeladen und darin voller Energie. Die Zeit verändert hier kaum etwas. In mir muss ich etwas wandeln, verstehe ich, denn dieser Ort ist belastet und er bleibt es auch. Ich muss etwas verändern in mir, das wird mir deutlich. Ich kann die Gesichter des Unrechts nicht vergessen, die wolllüstige Macht, der Anblick der Freude an der Erniedrigung, die ich erfahren habe. All das ist hier gespeichert. Und die Belastung des Ortes schlägt jedesmal wieder, wenn ich hierher gelange, auf mich zurück. So sehr, dass ich mich an manchen Tagen dem nicht gewachsen fühle und den Ort deshalb vermeide. Es ist etwas zu tun, verstehe ich. Lang genug habe ich es aufgeschoben. Lang genug mir die Kraft es aufzuschieben genommen und abgezogen von dem, was ich doch eigentlich will. Vielleicht bin ich jetzt bereit, zu vergeben. Vielleicht mache ich mir auch nur etwas vor. Doch es geht mir schlecht genug, um nun hier anzukommen und der Sache gegenüberzustehen. Mehr noch, die Unfähigkeit zu trauern, die Unfähigkeit, den Schmerz anzunehmen und die Unfähigkeit, den mir zugefügten Schmerz denen zu vergeben, die ich glaube verantwortlich machen zu können, oder zu müssen – diese Unfähigkeit muss hinabführen. Das verstehe ich jetzt, in diesem Moment. Etwas abzulegen, am Fuße der Brücke, tief im Wald, es mag helfen, über die Zeit zu kommen. Es mag helfen, Kräfte zu sammeln, weitergehen zu können. Doch es löst nichts. Alles kommt zurück, alles wartet darauf, gelöst zu werden, weich zu werden, zu Dankbarkeit zu werden. Denn ich habe gelernt, von meiner Naivität zu lassen: Das also gibt es auch! Ich habe gelernt, die Welt realistischer zu sehen, ohne aufzugeben, wofür ich stehe. Ohne aufzugeben, wovon ich überzeugt bin, woran ich glaube. Und volleds lösen wird es sich nur, wenn ich schließlich mir selbst vergebe. Wenn ich mir vergebe, so unfähig gewesen zu sein. Mir vergebe, so viele Jahre die Schwere an diesem Ort bewahrt zu haben. So viel Energie geopfert zu haben, nur um mich einzurichten im Himmelreich der Ohnmacht. Mir selbst also vergeben … , wie schön ist dieser Gedanke! Und er beflügelt mich. Ich atme tiefer, ich erfahre in diesem Moment, wie die Energie in mich einströmt, wie sie zurückkehrt und zudem, wie die Energie meiner Umgebung in mich einströmt. Ich nehme die Energie auf, die diesen Wald erfüllt. Und ich laufe, Steigung um Steigung, werde schneller, ganz unerwartet, kann ich die Geschwindigkeit aufrecht erhalten. Und ich strahle vor mich hin.

Und darum laufe!

Scherben

Eine Flasche springt, nachdem sie mir aus der Hand geglitten ist. Robustes Glas, ungünstig gefallen, zerborsten, obwohl der Weg weich vom Regen, ganz ohne Steine. Ich bin erstaunt. Was habe ich gedacht in diesem Moment? Ich bin Ungeschickt, weil gedankenverloren, denke ich nun. In welchem Zustand bin ich hierhergelangt? Und ich ahne von allem Möglichen, welches sich ereignen mag, weil ich belegt bin mit Gedanken. Unfrei und eng. Ich bin belegt mit dem Bedenken und ich weiß, dass ich in Gefahr bin. Eben noch wollte ich einen Schluck von dem Wasser nehmen und nun sind dort nur noch Scherben in meiner Hand. Scherben und die Dämonen hinter mir, wie die Hunde eines selbst gehetzten Läufers, den ich hinter mir atmen hören kann. Ich könnte doch stehenbleiben! Endlich aufhören, aufgeben und annehmen, was immer passieren mag. Mich umdrehen und ansehen, was mich vor sich her treibt. Doch das ist das Schwierigste von Allem. Es ist das Schwierigste, anzusehen, was in mir dort ist. Was mich bedroht, aus mir heraus. Ansehen genügt, sage ich immer wieder. Und doch laufe ich weiter. Laufe mit den Scherben in der Hand.

Und darum laufe!

Nicht sein

Dem sich erkennenden Wesen, seiner Selbst bewusst und darin verwirklicht, ist die größte Angst, nicht mehr zu sein. Zumal eben erst das Sein erkannt und darin errungen ist. Das Nicht Sein also – der Tod ist es nicht, verachtet ebenso wie das Sterben, die letzten zum Tode führenden Züge des Atems auch über Jahre hinweg. Das Nicht Sein, es ist das, was eintreten mag, wenn der Raum geöffnet ist, indem ein Mensch von dem eben errungenen Sein ablässt. Es loslässt, sich loslässt, um sich zu erhöhen in dem Aufgehen im Unbekannten. Viele Formen sind möglich, hohe und niedere. Zu Bewundernde ebenso, wie Verabscheuungswürdige. Und auch der Wunsch sich zu erniedrigen mag ausgekostet sein, wenn ein Mensch dies erfahren möchte. Die größte Angst und zugleich der größte Ruf, denn die Erweiterung des Seins ist nur dort möglich, wo das Sein glaubt an seine Grenze gelangt zu sein. Bin das Ich? Das bin ich! Jenseits davon, etwas anderes. Zieht es mich an? Ruft es mich? Ja, ganz offensichtlich. Warum also nicht? Wäre dort nicht die Angst …

Und darum laufe!

Alles innerlich

Es ist nicht der Ort, denn alles ist innerlich. Und es ist auch der Ort, in einem gewissen Sinne und doch ist alles innerlich. Es ist innerlich, weil an dem Ort nur, vielleicht auch mehrfach, etwas besonderes, eine besondere Empfindung erlebt war. Die Leichtigkeit. Der weiche sandige Weg unter lichten Laubbäumen, des Ortes Möglichkeit, seine Fähigkeit übereinzustimmen, mit dem, was ich in ihn hineintrage. Darin ist eine Bedingung erfüllt, doch es ist nicht der Ort, weil alles innerlich ist. Ich habe mißverstanden und geglaubt an den Ort vielleicht nicht zurückkehren zu können. Doch ich verstehe heute, nachdem ich den Weg abgekürzt habe und zu meiner Überraschung nun an diesem Ort tatsächlich angekommen bin: Sein Zauber, der Zauber der Leichtigkeit, ich trug ihn ehedem hierher, die Leichte, sie war mein Geschenk an diesen Ort, welches ich über den Weg dorthin mir erst erworben hatte. Ein innerlicher Vorgang der Klärung, der Reinigung, der hier nur mir bewusst wurde. Alles innerlich also. Und doch ist es auch der Ort.

Und darum laufe!

Der einsame Weg

Und ich leide unter der Abwesenheit. Die Kälte umweht mich und zieht in mich ein, sodass ich ein völlig neues Gefühl von mir selbst erlange. Die Form meiner Knochen, durch die in sie einziehenden Kälte ist sie für mich zu erspüren. Ein Empfindungsgebilde aus Kälte. Die Muskeln dazu, Sehnen und Flüssigkeiten. Und ich bin auf diesem einsamen Weg, um mich solcherart neu zu erfahren. Ich lasse gewähren, was an Kraft mich hierherzieht, mich treibt, mir befiehlt. Denn es ist der Moment der Einsamkeit, der mir die in diesem Moment höchste Erkenntnis vermittelt. Es ist der schwerste aller Wege und er ist gefährlich. Immer suche ich den in diesem Moment für mich schwersten Weg. Das ist so in mir angelegt. Es ist leidvoll und ich will aus diesem finsteren Traum erwachen und das Leid als Scheme, als Täuschung, der zu folgen ich wohl gelernt habe, entlarven. Ich will das Leid loslassen und die Freude empfangen. Leicht und liebevoll leben, bewusst und heil. Doch mein Wille zählt nicht, vielleicht noch nicht. Der einsame Weg, ich ringe mit mir, kaum auszuhalten, Zeit , die wie ein Gebirge vor mir aufragt, mich zu erdrücken droht. Doch ich stabilisiere mich, atme, bewege mich. Ich erkenne den Rest in mir, der handlingsfähig bleibt in diesem Entgleiten, welches mich zieht. Hindurch durch die Einsamkeit, dachte ich, um zurückzukehren, immer wieder zurückzukehren. Und verändere ich mich. Der Druck lässt nach, Gewöhnung, Vertrautheit entsteht. Ich erblühe in mir. Unsichtbar für und vor allen, wie niemandem. So viel ist verloren, es ist losgelassen und ich bin nicht allein. Ich bin frei und das fühle ich so, wie ich es vielleicht noch nie zuvor gefühlt habe. Keine Erwartungen mehr. Vor mir bin ich frei und was andere von mir glauben, ich kann es vollkommen anderen überlassen. Ihr Glaube gehört ihnen und wenn sie glauben, etwas glauben zu müssen, so ist das eine Entscheidung. Dies hat mit mir überhaupt nichts zu tun. Immer spreche ich nur von mir selbst, immer ist alles, was mir entgegentritt ich selbst. Und darin ist das Selbst keine Beschränkung, kein Gefängnis und ebensowenig eine Anmaßung oder ein Ausdruck für Hochmut. Gelassen blicke ich auf die Entsprechnung von Selbst und Welt und lass auch diese los. Wie eine Täuschung, wie der Nasenring, durch den ich durch die Manege des Seins geführt werde. Nur, ich glaubte, dies sei ein Abschnitt des Weges, der einmal wieder zurückführen würde. Eine Krise sozusagen. Eine Phase meines Seins. Doch ich erkenne die völlige Offenheit. Und so tief in die Ensamkeit vorgedrungen, verstehe ich, es ist vielleicht der erste Stein eines im Urwald verborgenen Tempels, den ich gerade entdeckte.

Und darum laufe!

K-Steig

Markierte Bäume auf dem Weg, kreideweiße, rechteckige Felder mit Zeichen und Buchstaben beschriftet: Z, A, oder auch K in roter Farbe. Abkürzungen dazu, wie St. für Steig und immer wieder bin ich überrascht, auf einem markierten Weg zu laufen oder eine neue Markierung an einer Weggabelung zu entdecken. Und immer wieder entscheide ich kurzfristig an der Weggabelung, den Weg zu nehmen, dessen Bezeichnung sich mit mir, mit meinem Namen in Beziehung setzen lässt. Und so biege ich ein auf den K-St., den Steig, der mit dem elften Buchstaben des Alphabets bezeichnet ist. Es ist mein Weg, ich bin auf ihm ganz allein und in Übereinstimmung mit der Bezeichnung. Doch, wo bin ich auf dem Weg? Wo bin ich zu finden, wo mir selbst ganz nah? Wenn es der Weg ist, der für mich bennant ist, der geradezu nach mir benannt ist, was ich bereit bin mir vorzumachen. Wo also nähere ich mich mir selbst auf ihm an? Der Weg steigt an, eine Schlucht, hohe Bäume überragen mich, die tief unter mir wurzeln. Ein Rinnsal dort unten in der Schlucht, Steine und schwerer Atem, bergan, steil, kühl und dampfend. Ich bin ganz sicher hier an diesem Ort und ganz sicher an diesem Ort mir selbst ein Geheimnis. Ich bin mir selbst ein wenig voraus und es fühlt sich so an, als würde ich vor mir selbst weglaufen. Als würde ich wie ein scheues Reh den Abstand zu mir selbst wahren um mich dann von Zeit zu Zeit nach mir selbst umzudrehen, nach mir ausschau zu halten. Zu beschleunigen ist zwecklos. Ich – das Reh – bin viel zu schnell, zu gewandt, zu vertraut mit jeder Wurzel auf dem Weg, als dass ich – der Mensch – mich einholen könnte. Und so tue ich, was ich immer tue: ich senke den Blick, lasse den Weg an mir vorbeiströmen, sodass ich bald ganz in mir versunken bin. Das Reh nun, welches ich selbst ja bin, scheu und behände, es bemerkt, keine Angst vor mir, vor dem jagenden Anteil in mir, haben zu müssen. In Neugier lässt es mich nahe kommen. Es nähert sich sogar an, so wie ich mich dem Reh annähere. Und wir sind dann Lauf und Atem, vertraut, im Einklang, in Übereinstimmung. Wir sind Eins und ohne Zeit, noch Raum. Wir empfangen und spenden, tauschen uns aus, erfahren und erkennen einander und segnen einander. Wir erkennen was wahr ist, und von Bestand. Wir erkennen die Kraft der Seele. Und diese Kraft, sie ist eine, die sich selbst erkennt. Und ich verstehe, dass dieser Weg, nicht nach mir bezeichnet ist, gleichwohl ich mich auf ihm geborgen fühle, ich mich auf ihm finde. Zudem erkenne ich, dass alle erdenklichen Wege, alle mir möglichen Wege, an allen möglichen Orten dieser Erde, Wege sind, die nach mir zu bezeichnen sind, wenn es mir gelingt, mich auf ihnen zu finden. Mich zu finden.

Und darum laufe!

Ohne Rat

Spuren im Schnee, grobstollige Reifen, Vorder- und Hinterrad. Das Schlängeln und Schlingern, der tiefe Kontrast, das in den Schnee gedrückte beschattete Profil. Begleitende Fußspuren drumherum und ich folge den Spuren. Die Fußspuren werden an Anzahl weniger, der Weg führt in die Tiefe des Waldes und zugleich hinauf in die Höhe. Das Verschwinden der Fußspuren neben den Radspuren verdeutlicht den Moment des Sich-Einschreibens in die unberührte weiße Schneedecke in einer unausgesetzten Linie. Das Rad wurde nirgends getragen. Pulveriger und tiefer der Schnee, kälter die Luft, ein weites Feld liegt vor mir. Ich folge hinaus auf das Feld. Der Rabe krächzt, schwarz wie ich hier oben. Das Feld gesäumt von einer Vielzahl an Bäumen, Weite, in des Feldes Mitte ich stehe. Und die Spur endet! Die Spur führt hierher und nicht weiter. Ein Ende in dem weißen Feld, wie ein Rätsel, wie eine Zurückgeworfenheit. Ich auf mich selbst, in mich hinein zurückgeworfen. Wie schön und schrecklich zugleich! Ich kann es weitertreiben und hinausschreiten in diese Kultur der ersten Berührung und zugleich hinausschreiten aus der Kultur der Folgsamkeit. Oder aber es vermeiden. Und verloren bin ich in diesem hauchdünnen Moment zwischen dem Einen, welches Voranweist und dem Anderen welches verharrt. Gelähmt und ohne Rat.

Und darum laufe!

Beständig

Ich höre die Erzählung von Anfang und Ende. Ich höre von einem Ursprung und einem Verlöschen, einem Ende. Der Ursprung, gedacht wie eine Explosion, so weit entfernt, dass ich keine Vorstellung habe von der bis hierher verstrichenen Zeit. Sie übersteigt meine Vorstellungskraft. Das Ende, gedacht wie eine Implosion, als würde sich alles in sich zurückziehen, in so weiter Ferne, dass ich keine Vorstellung habe von der Zeit, die noch verstreichen soll. Und andere Konzepte des Verlöschens dazu. Und jetzt stelle ich mir vor, alles wäre schon immer da gewesen. In Veränderung, in Bewegung, ganz sicher, doch schon immer da. Eine Schöpfungsgeschichte würde es überhaupt nicht geben. Nicht einmal die Vorstellung von einer Geschichte, deren Inhalt das Enstehen und das Vergehen wäre. Und jetzt stelle ich mir zudem noch vor, alles wird immer sein, für alle Zeit. Ein Ende würde es überhaupt nicht geben, nicht geben können. Was macht dieser Gedanke mit mir und meiner Angst? Wonach richte ich mich aus, auf einem meiner Läufe? Was bedeutet es für mich, wenn ich es wirklich glaube, dass es keinen Anfang gibt und kein Ende? Was bedeutet es, in einer solchen Welt zu leben? Was will ich bewirken in einer erschaffenen und vergehenden Welt und was will ich bewirken in einer schon immer da gewesenen und bestehenden Welt? Vielleicht bin ich frei, etwas zu erfahren. Das Wirken von Kräften an mir. Die Beständigkeit führt mich in die Freiheit, mich dem Leben, dem Lebendigen zuzuwenden. Nichts ist zu errichten, um im Anblick seiner Vernichtung zu erschauern. Das Sein ist die dem mich Umgebenden entsprechende Form. Das Sein zu einer Kunst werden zu lassen. Es steht mir frei.

Und darum laufe!

Wut

Es raubt mir den Atem, wütend zu sein und so geht es nicht gut voran, weil, um zu laufen, brauche ich den Atem und ich würde zusammenbrechen, ließe ich nicht irgendwann los. Irgendwo auf meinem Weg. Atemlos, wie ich irgendwann sein würde und so ist das Laufen geeignet, die Wut aufzulösen, weil das Laufen sich mit der Wut nicht vereinbaren lässt und weil es mich zwingt, irgendwann, vielleicht auch nur für den Moment, oder den Rest meiner Strecke, ohne Wut zu sein. Zumindest, vielleicht, ihr während des Laufens nicht meine Aufmerksamkeit zu opfern. Anderes will sich zeigen. Eiszapfen vielleicht, am Wasserfall gewachsen, wie ein grauer Bart. Die Nacht war kalt, Rauhreif in den besachtteten Hänges des Tales, der sich noch hält. Der Bach, gefasst von einem Saum aus Schnee und Eis des frühen Jahres, wie eine Papierserviette um ein Cafe-Gedeck. Das Schöne sich zeigt.

Und darum laufe!

Beständig

Ein aus sich selbst heraus beständig auf sich herabregnender Mensch. Ich beobachte einen zum Wasser hinabgeneigten Menschen. Er hockt an einem kleinen Wasserfall des Baches. Er streckt seine Hand unter das herabströmende Wasser und fängt es in seiner Handinnenfläche auf. Dann wirft er es mit einem Schwung fort. Und so wirft er das Wasser durch die staubig, trockene Luft des Waldes. Erst in die vier Himmelsrichtungen, um es dann hinter sich zu werfen. Die im Bogen fliegenden, in den Sonnenstrahlen blitzenden Wassertropfen regnen auf ihn selbst herab. Dunkle Flecken erscheinen auf seinem Rücken, als wäre dies der Sommerregen, der in dicken Topfen sich zeigt. Er regnet auf sich herab, bis sein Hemd völlig durchnässt ist. Ich kenne dieses Gefühl der völligen Durchnässtheit von Tagen, an denen aus dem Sommerregen ein brausender Guss wurde. An denen das Wasser den Rücken hinab zu den Beinen lief, die Beine hinab, hinein in meine Schuhe. Und der Läufer steht auf, dreht sich von dem Wasserfall weg, dem Weg entgegen. Er setzt an und läuft weiter. Ein aus sich selbst heraus beständig auf sich herabregnender Mensch. Und der Läufer, das bin ich.

Und darum laufe!