In der Nacht

Ich versuche, das Universum zu verstehen. Die Vielzahl. Die Unendlichkeit. Ich versuche, all die Vorstellungen zu verstehen, dazu die Idee davon, dass all diese Vorstellungen wahr sind, oder auch nur die Möglichkeit, eine dieser Vorstellungen sei wahr. Ich finde Erkenntnisse und Beweise, um dem noch viel größeren gegenüberzustehen,. Diesem höheren und zugleich tieferen Prinzip. Wie schön, dass auf eine Vorstellung eine weitere folgt. Ganz sicher also ist dort die Vielzahl an Sternen in der Nacht, die Milchstrasse in ihrem Band, die sich über den Nachthimmel zieht. Ich bin also hierher gelangt, um ein Subjekt zu sein. In dieser tiefen Entfernung empfinde ich die Einsamkeit des betrachtendenden Menschen, des Menschen, der vollkommen getrennt sich wahrnimmt und etwas anderem gegenübersteht. Was für eine erstaunliche SItuation, in die ich hier hereingeraten bin. Ich möchte sie würdigen, so leidvoll sie von mir immer wieder empfunden ist. Was ist dieser eine Same, den ich aus dieser tief empfundenen Einsamkeit heraus gewinne? Er ist – und ihn einzupflanzen bin ich gekommen. Ihn zu pflegen, ihn zu behüten, ihn zu begiessen bin ich gekommen – der Same ist, gedacht zu werden von dem Universum, von der Vielzahl, von der Unendlichkeit gedacht zu werden. Der Same ist, erdacht zu sein, darin völliges Objekt. Dabei vollkommen verbunden zu sein, ein Teil des Geistes aus dem Geiste heraus. Ich selbst, eine Vorstellung zu sein dieses Geistes. Wie schön! Warum nur feiern wir nicht diesen Moment?

Und darum laufe!

Eine Erfahrung

Ein Mann stürzt. Alles scheint darauf hinzuweisen, dass er eine geachtete, bedeutende Persönlichkeit ist, die herausfällt aus seiner Rolle, um nun vom Sturz gezeichnet, vor mir zu liegen. Bin ich frei von der Häme, völlig frei, ihm meine Hand anzubieten, ihm aufzuhelfen? Ich verstehe, das es bedeutend für mich ist, ehrlich zu mir zu sein. Ich erinnere Begebenheiten, in denen ich dem reinen, von einer Häme unbefleckten Impuls folgte und half. Ich war erfüllt von dem Gefühl, helfen zu müssen und dachte nicht darüber nach. Ich half ohne ein Ansehen der Person. Und ich helfe jetzt diesem Mann, genau so, wie mir bereits zuvor in einer solchen Situation geholfen wurde. Ich vermeide den allzu großen Dank, indem ich weitereile. Nicht für den Dank es zu tun, sich darin nicht zu erhöhen, ist für mich wichtig. Ohne Häme zu sein gelingt mir nur, wenn ich frei bin von den Gefühlen der Zurückgesetztheit, der Ohnmacht, des Unrechts. Dies gelingt nur, wenn ich annehme was ist, als das, was zu sein hat. Wenn ich es also betrachte, als das, was für mich vorgesehen ist und zugleich doch als das, was völlig meiner Verantwortung unterliegt. Ein Widerspruch vielleicht und doch ganz richtig. Das absichtslose Helfen, es ist eine Botschaft. Es ist dem Gestürzten eine Botschaft und eine Erfahrung, die vielleicht neu für ihn ist. Die Welt zu sehen, als eine der Hilfsbereitschaft, in der Menschen kein Aufhebens darum machen, dass sie bereit sind zu helfen ohne eine Gegenleistung, kann eine neue Erfahrung sein. Eine solche Erfahrung kann nicht ohne Wirkung bleiben.

Und darum laufe!

Versiegt

Die mir vertraute Quelle am Wasserfall tief im Wald ist versiegt. Trotz der Regenfälle des WInters, der Niederschläge der letzten Wochen, rinnt aus ihr kein Tropfen mehr. Und ich denke: Warum nur ist dieses Schweigen in mir? Warum nur ist die innere Stimme verstummt? Kein Hinweis, kein Rat, keine Erläuterung, keine Offenbarung. Dort ist nur Schweigen und ich ermutige mich zu glauben, dass das Schweigen die eigentliche Botschaft ist. Dass alleingelassen ich mich fühle, weil der tiefe Wille keine Beeinträchtigung erfahren darf. Und dass ich mich entscheide, in welche Höhen ich gehen mag oder in welche Tiefen hinab ich sinken möchte. Und dass im Hochmut des Erfolgs der Fall sich ankündigt und dann die Quelle schon zu mir sprechen wird. Und dass völlig zu Asche geworden, die Quelle von dem Phoenix künden wird zu dem ich werden mag. Ich rede mir gut zu, darin zu vertrauen, dass alles richtig ist. Alles ist gut!

Und darum laufe!

Rauschen

Schwarze Partikel, Steinchen, geborgen in dem grauen Asphalt, neben weissen Partikeln, die durch den von mir geworfenen Schatten hindurchströmen. Die Morgensonne in meinem Rücken lässt meinen Schatten vor mir erscheinen. Ich befrage meine Kontur, so als wäre dies ein Spiegel. Und nun dieses Hindurchstömen der hellen und dunklen Partikel, durch mich hindurch und auf mich zu.

Und darum laufe!

Unrecht

Bin ich ausgeruht, ausgeschlafen, so bin ich in der Lage, etwas zu sehen. Ich bin in der Lage, etwas zu erkennen, dann zu verstehen. Ich kann versuchen in eine Beschreibung fliessen zu lassen, was ich glaube zu verstehen. Ein Unrecht es ist, einen Menschen zu zwingen in die Unausgeruhtheit. Ein Unrecht es ist, dem Drängen nachzugeben und unausgeruht zu existieren. Ein Unrecht, das Unrecht gewähren zu lassen.

Und darum laufe!