Der einsame Weg

Und ich leide unter der Abwesenheit. Die Kälte umweht mich und zieht in mich ein, sodass ich ein völlig neues Gefühl von mir selbst erlange. Die Form meiner Knochen, durch die in sie einziehenden Kälte ist sie für mich zu erspüren. Ein Empfindungsgebilde aus Kälte. Die Muskeln dazu, Sehnen und Flüssigkeiten. Und ich bin auf diesem einsamen Weg, um mich solcherart neu zu erfahren. Ich lasse gewähren, was an Kraft mich hierherzieht, mich treibt, mir befiehlt. Denn es ist der Moment der Einsamkeit, der mir die in diesem Moment höchste Erkenntnis vermittelt. Es ist der schwerste aller Wege und er ist gefährlich. Immer suche ich den in diesem Moment für mich schwersten Weg. Das ist so in mir angelegt. Es ist leidvoll und ich will aus diesem finsteren Traum erwachen und das Leid als Scheme, als Täuschung, der zu folgen ich wohl gelernt habe, entlarven. Ich will das Leid loslassen und die Freude empfangen. Leicht und liebevoll leben, bewusst und heil. Doch mein Wille zählt nicht, vielleicht noch nicht. Der einsame Weg, ich ringe mit mir, kaum auszuhalten, Zeit , die wie ein Gebirge vor mir aufragt, mich zu erdrücken droht. Doch ich stabilisiere mich, atme, bewege mich. Ich erkenne den Rest in mir, der handlingsfähig bleibt in diesem Entgleiten, welches mich zieht. Hindurch durch die Einsamkeit, dachte ich, um zurückzukehren, immer wieder zurückzukehren. Und verändere ich mich. Der Druck lässt nach, Gewöhnung, Vertrautheit entsteht. Ich erblühe in mir. Unsichtbar für und vor allen, wie niemandem. So viel ist verloren, es ist losgelassen und ich bin nicht allein. Ich bin frei und das fühle ich so, wie ich es vielleicht noch nie zuvor gefühlt habe. Keine Erwartungen mehr. Vor mir bin ich frei und was andere von mir glauben, ich kann es vollkommen anderen überlassen. Ihr Glaube gehört ihnen und wenn sie glauben, etwas glauben zu müssen, so ist das eine Entscheidung. Dies hat mit mir überhaupt nichts zu tun. Immer spreche ich nur von mir selbst, immer ist alles, was mir entgegentritt ich selbst. Und darin ist das Selbst keine Beschränkung, kein Gefängnis und ebensowenig eine Anmaßung oder ein Ausdruck für Hochmut. Gelassen blicke ich auf die Entsprechnung von Selbst und Welt und lass auch diese los. Wie eine Täuschung, wie der Nasenring, durch den ich durch die Manege des Seins geführt werde. Nur, ich glaubte, dies sei ein Abschnitt des Weges, der einmal wieder zurückführen würde. Eine Krise sozusagen. Eine Phase meines Seins. Doch ich erkenne die völlige Offenheit. Und so tief in die Ensamkeit vorgedrungen, verstehe ich, es ist vielleicht der erste Stein eines im Urwald verborgenen Tempels, den ich gerade entdeckte.

Und darum laufe!

Der Tempel

Wie nur konnte ich an Steine und Mauern denken? An tonnenschwere Quader, rätselhaft bewegt? An behauene Steine, gefügt oder gesetzt, aufgetürmt und von Erdbeben geworfen, zu Schuttkegeln gewandelt? An Massen, an umbautem Raum, Architektur von der Sonne und den Jahrhunderten gebleicht, von dem Wind und den Sandkörnern geschliffen? Der Tempel, der zu errichten ist, ist dort, wo ich bin und ich bin dort, wo dieser Tempel ist. Er ist der heilige Ort in mir. Er ist der Moment des Friedens in mir, den ich wirklich werden lasse. Und dieser Tempel, er ist jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jeden Moment von mir neu zu errichten in Friedfertigkeit, in Sanftmut. Und ich atme und laufe.

Und darum laufe!

Listig

Der halbe Weg. Es ist Zeit umzukehren. Die Heimkehr sei nun besprochen, der Heimweg, die Rückkehr. So wie ein Aufbrechen, ein Hinaus-ziehen ein Wagnis war, voller Aufregung und von einem Zauber getragen, so wird nun deutlich: Die Rückkehr hat den Zauber vergessen und das Wagnis der Heimkehr wiegt doppelt, vielfach sogar. Die Herausforderung, die ich bestanden habe, sie ist nur der erste Stein des verfallenen Tempels, den ich im Dschungel fand. Der heilige Ort liegt noch vor mir, viel tiefer im Dickicht, viel weiter im Ungewissen und zudem liegt dieser Ort in mir. Was einmal bestanden war, mich hat müde werden lassen, es war ein Auftakt nur. Nun geht es ums Ganze! Das was jetzt kommt, ist kein Spiel mehr. Es geht um meine Haut, meine Zähne, meine Knochen, mein Herz, meine Eingeweide. Doch ich bin listig, erfahren, gerissen, ein Niemand schon! Und ich weiß um den Zauber des Spieles, um die Magie der Versunkenheit, und um die Kraft des Vertrauens. Mit ihr ziehe ich das letzte Mark aus meinen Knochen. Die Knochen werde ich doch irgendwann sowieso nicht mehr benötigen, warum also nicht jetzt? Ich erschöpfe mich vollends, doch ich bleibe listig dabei.

Und darum laufe!