Regenschirm

Es regnet in der Kühle des frühen Jahres. Und ich kleide mich so, dass die Regentropfen an mir abperlen. Ich kann mich lange Zeit bewegen unter den dunklen Wolken, ohne auszukühlen. Über mir Wolken, die sich stet und ergiebig abregnen. Streifen in Grau und Dunkelgrau. Ein mich schirmender Regen, denn kein Mensch begegnet mir. Alles ist weit entfernt. So weit, dass ich fühle, was es bedeutet, allein zu sein. Und dieses Fühlen, es ist überhaupt nicht leidvoll. Eine tiefe Geborgenheit darin. Ein mich schirmender Regen, denn meinem Gefühl, es entspricht der zum Boden geneigten Haltung, dem auf die Erde gewandten Blick, der nach innen gerichteten Aufmerksamkeit. Ich atme aus und laufe in meine Atemwolke hinein. Immer wieder. Mehr ist es nicht. Der Wald ganz allein für mich, ich ganz allein für mich. Eine Sehnsucht erfüllt sich. Es rührt mich, zu bemerken, wie groß diese Sehnsucht war, wie lang sie wohl schon existierte. Es klart auf, die Sonne dringt hindurch. Wie schade, denke ich schon ist es wieder vorbei. Das Gefühl, noch ist es nicht völlig erlebt, erfahren.

Und darum laufe!

Gebet

Wort und Gebet. Eine Formel. Eine Sammlung von Worten, aneinandergereiht. Ihre magische Kraft ist in dem Aussprechen entfesselt. Innerlich still oder laut ausgesprochen, beide Formen des Vortrags sind gleichermaßen wirksam. Vielleicht ist es nur ein Denken, doch bin ich fokussiert auf die Formel, auf die Sammlung von Worten, so wird aus dem Denken ein innerliches Sprechen. Ein Sprechen also. Ich spreche vor mir und vor etwas Anderem. Das Andere ist da, ganz unvermittelt mit der bewussten Entscheidung in diesem Moment, in dieser Haltung eine Formel zu sprechen. Sofort ist das Andere da. Es umgibt mich, so wie es in mir ist und mich ausfüllt. Ich bin durchlässig und empfangend, meine Haltung ist friedlich und voller Demut. So, als würde ich mich der Länge nach auf den Boden legen vor dem Anderen. Doch das Andere ermutigt mich ihm gegenüber zu sitzen, auf Augenhöhe. Und doch ist die demütige Haltung das Geschenk, welches ich mitbringe. Es ist das Opfer, welches in diesem Moment vollzogen ist, noch bevor überhaupt ein innerliches Wort gesprochen ist. Ich liege zu Füßen und sitze gegenüber auf Augenhöhe, zu gleicher Zeit. In Vertrautheit, in Freundlichkeit. Ich empfange Geborgenheit und ich gewähre Trost. Ich nehme in den Arm und werde gehalten. Nun bilden sich Worte und Sätze. Worte wie Perlen an einer Kette, die durch meine Fingerspitzen gleitet. Ein langer Satz zur Eröffnung. Er ist die Begrüßung. Dann die Fürbitte und all die Namen der Menschen, mit denen ich verbunden bin. Dann ein in noch längerer Satz, geteilt in Hauptsatz und Nebensatz. In ihm Bedingungen und Beziehungen. Dann eine Formel. Und ich wiederhole diese Formel sieben Mal. Dann ein Satz der Verbundenheit: Sechs Worte. Dann ein Satz der Übereinstimmung: Vier Worte. Dann die große Magie: Zwei Worte. Und alles gelangt herab zu einem Punkt, als wäre dies alles sanft geführt an der Innenseite eines großen Trichters entlang hierher. Ein Wort: Ich!

Und darum laufe!

Geborgenheit

Es ist nicht so, dass dieses EIN Wald ist. Es ist nicht so, dass dies eine Form ist, die bevölkert und betreten ist von Wesen, die aus dem umliegenden Raum hereintreten. Vielmehr ist dies eine VIELZAHL von Wäldern, die unterschiedlich sind und dabei doch aus identischen Bestandteilen bestehen. Die Anzahl dieser Wälder ist so groß, wie die Anzahl der Menschen, die hereintreten. Und zudem, ganz sicher ist diese Anzahl nicht nur auf uns Menschen beschränkt, nur weil wir uns nicht die Mühe machen uns das über uns Hinausgehende vorzustellen. Pflanzen, Tiere und noch viel mehr. Die Anzahl der Wälder, ich stelle sie mir als unfassbar groß vor. Und dies hat nichts zu tun mit einer Wissenschaft der Erkenntnis, die etwas als radikal denkt. Es ist vielmehr so, dass es dort ein Gefühl gibt, welches einfach sofort da ist, wenn ich diesem Gedanken folge. Der Gedanke ist: Der wald ist sooft da, wie es Menschen gibt, die ihn betreten. Das Gefühl, dass aus diesem Gedanken heraus in mir entsteht, es ist ein Tor durch welches ich schreite und jetzt und sofort ist es nun der eine Wald, in dem ich mich bewege. Der eine Wald, und eine tiefe, wahre Geborgenheit umschließt mich vollends. Dies ist die von mir lang ersehnte Annahme durch die Welt. Es ist eine Verwirklichung meines Seins in diesem Moment der Übereinstimmung und der Harmonie.

Und darum laufe!