Eine Erfahrung

Ein Mann stürzt. Alles scheint darauf hinzuweisen, dass er eine geachtete, bedeutende Persönlichkeit ist, die herausfällt aus seiner Rolle, um nun vom Sturz gezeichnet, vor mir zu liegen. Bin ich frei von der Häme, völlig frei, ihm meine Hand anzubieten, ihm aufzuhelfen? Ich verstehe, das es bedeutend für mich ist, ehrlich zu mir zu sein. Ich erinnere Begebenheiten, in denen ich dem reinen, von einer Häme unbefleckten Impuls folgte und half. Ich war erfüllt von dem Gefühl, helfen zu müssen und dachte nicht darüber nach. Ich half ohne ein Ansehen der Person. Und ich helfe jetzt diesem Mann, genau so, wie mir bereits zuvor in einer solchen Situation geholfen wurde. Ich vermeide den allzu großen Dank, indem ich weitereile. Nicht für den Dank es zu tun, sich darin nicht zu erhöhen, ist für mich wichtig. Ohne Häme zu sein gelingt mir nur, wenn ich frei bin von den Gefühlen der Zurückgesetztheit, der Ohnmacht, des Unrechts. Dies gelingt nur, wenn ich annehme was ist, als das, was zu sein hat. Wenn ich es also betrachte, als das, was für mich vorgesehen ist und zugleich doch als das, was völlig meiner Verantwortung unterliegt. Ein Widerspruch vielleicht und doch ganz richtig. Das absichtslose Helfen, es ist eine Botschaft. Es ist dem Gestürzten eine Botschaft und eine Erfahrung, die vielleicht neu für ihn ist. Die Welt zu sehen, als eine der Hilfsbereitschaft, in der Menschen kein Aufhebens darum machen, dass sie bereit sind zu helfen ohne eine Gegenleistung, kann eine neue Erfahrung sein. Eine solche Erfahrung kann nicht ohne Wirkung bleiben.

Und darum laufe!

Schleifen

Ich laufe in Schleifen. Ein Weg, ein Gedanke, das Gefühl von Schuld und Scham, etwas, das mich nicht loslässt. Es kreist in mir, sodass es mir zu einem Ärgernis wird, welches ich nicht einfach abstreifen kann. Es ist ein Ärgernis, so sehr, dass ich kurz davor bin, den Lauf abzubrechen. Ich bin kurz davor, es sein zu lassen. Eine List kommt mir zuhilfe: Ich laufe ein Stück zurück auf meinem Weg, etwa so weit bis zu dem Ort, an dem ich begann mich zu ärgern. Oder sogar noch weiter zurück bis zu dem Ort, an dem ich begann über das nun erblühte Ärgernis nachzudenken. Dort angelangt, wechsele ich erneut die Richtung und nehme die zweite Chance, von diesem Knotenpunkt aus loszulaufen. Der Knotenpunkt, ist der Punkt, der mich am meisten interessiert. Hier wo der Faden, die Schnüre verknotet ist, wo sie fixiert ist, setze ich mit meiner Frage an. Ich verstehe, was es bedeuten würde, den Knoten zu lösen. Eine Schnur, die zuvor gebunden war, würde auf eine sehr viel größere Länge auseinandergezogen. Einem Quantensprung gleich, wäre von einem auf den anderen Moment ein Anfangspunkt von dem Zielpunkt abgerückt. Der Raum, der dazwischenläge wäre gewaltig erweitert. Es ist also kein mühsames sich annähern an Größe, Weite, Tiefe oder Bedeutung. Es ist da, in diesem Moment. Die Erkenntnis bricht ein in die Realität, wie ein Läufer auf dem Eis. Mich interessiert also diese Verknotung, die mich wiederholen lässt. Die mich daran hindert loszulassen und weiterzuziehen. Mich interessiert der Knoten mehr als alles Andere.

Und darum laufe!

Der Karma-Läufer

Der Karma-Läufer wird gesehen, seine Friedfertigkeit, sein Nicht-materialismus ist offen – eine Teilhabe einem Jeden anderen Menschen möglich. Laufe mit! flüstert sein Anblick leis, oder: Denke über mich, was immer Du magst, ich aber fühle mich jetzt gut und später noch besser … ; oder: In jedem Schritt bejahe ich das sein, das zu reinigen mir durch das Laufen ein wenig gelingen mag!

Und darum laufe!