Beständig

Ein aus sich selbst heraus beständig auf sich herabregnender Mensch. Ich beobachte einen zum Wasser hinabgeneigten Menschen. Er hockt an einem kleinen Wasserfall des Baches. Er streckt seine Hand unter das herabströmende Wasser und fängt es in seiner Handinnenfläche auf. Dann wirft er es mit einem Schwung fort. Und so wirft er das Wasser durch die staubig, trockene Luft des Waldes. Erst in die vier Himmelsrichtungen, um es dann hinter sich zu werfen. Die im Bogen fliegenden, in den Sonnenstrahlen blitzenden Wassertropfen regnen auf ihn selbst herab. Dunkle Flecken erscheinen auf seinem Rücken, als wäre dies der Sommerregen, der in dicken Topfen sich zeigt. Er regnet auf sich herab, bis sein Hemd völlig durchnässt ist. Ich kenne dieses Gefühl der völligen Durchnässtheit von Tagen, an denen aus dem Sommerregen ein brausender Guss wurde. An denen das Wasser den Rücken hinab zu den Beinen lief, die Beine hinab, hinein in meine Schuhe. Und der Läufer steht auf, dreht sich von dem Wasserfall weg, dem Weg entgegen. Er setzt an und läuft weiter. Ein aus sich selbst heraus beständig auf sich herabregnender Mensch. Und der Läufer, das bin ich.

Und darum laufe!

Leicht

Es ist ganz leicht, besteht mein Leben doch hauptsächlich im Hemmen der Energie, die in mich hinabsinken kann und möchte, oder in mir aufsteigen kann und möchte. Es ist möglich, doch nur ganz leicht und die Energie, sie ist ganz leicht, fein und alles an Willen, Zorn, an Anspruch, an Erwartung muß sie vertreiben und ich bleibe materiell. Die Energie ist fein, ganz leicht und doch umfassend, vereinend, allmächtig und sie wirkt auch dem, dem nur ein Tropfen einzuladen gelingt. Und der nächste Moment bleibt mir möglich, der nächste Tropfen.

Und darum laufe!

Golden

Am Wasser des Baches mich zu erfrischen, neige ich mich hinab. Eingehüllt von dem Rauschen des Wasserfalles an dieser Stelle, der Bach im Frühjahr prall gefüllt. Und ein wenig abseits der Kaskade ein seichter Tümpel, in dem der fortgespülte Sand aus dem fernen Gebirge sich abscheidet. Das klare Wasser gewährt mir einen Blick. Eine Wolke reißt auf und gibt den direkten Sonnenstrahl frei. In diesem klaren Tümpel springt mir ein Funkeln entgegen, es glitzert golden und gelblich, hundertfach aus dem reinen Sand heraus. Gold! Ausgewaschen und nach der langen Dürre so reichhaltig in dem Sediment vorhanden. Unter den hunderten der mich anglitzernden Lichtpunkte stechen zwei in ihrer Größe hervor. So groß sie sind, dass ich sie greifen kann. Und ich sehe und verstehe: Diesen oder jenen zu ergreifen, diese Wahl, jene Wahl zu treffen, es ist einerlei. Beide Wege sind golden, immer sind sie golden, dem, der des Spieles Wesen erahnt. Das Wesen des Spieles, in dem die Erfahrung der Ertrag ist. Keinen zu ergreifen, es ist undenkbar. Doch ist das alles innerlich, völlig innerlich. Meine Angst verflüchtigt sich für den Moment. Alles ist gut, alles wird gut und richtig sein. Weil so innerlich in völliger Klarheit ich mich befinde, mich entschieden habe und in voller Verantwortung die Konsequenzen tragen werde, weil das also völlig klar für mich ist, lasse ich alle beide dieser goldenen Tropfen in dem Sediment zurück. Wem noch könnten sie sich zeigen, sich offenbaren? Das zu verwehren, würde ich nicht wollen. Und so laufe ich weiter.

Und darum laufe!