In der Nacht

Ich versuche, das Universum zu verstehen. Die Vielzahl. Die Unendlichkeit. Ich versuche, all die Vorstellungen zu verstehen, dazu die Idee davon, dass all diese Vorstellungen wahr sind, oder auch nur die Möglichkeit, eine dieser Vorstellungen sei wahr. Ich finde Erkenntnisse und Beweise, um dem noch viel größeren gegenüberzustehen,. Diesem höheren und zugleich tieferen Prinzip. Wie schön, dass auf eine Vorstellung eine weitere folgt. Ganz sicher also ist dort die Vielzahl an Sternen in der Nacht, die Milchstrasse in ihrem Band, die sich über den Nachthimmel zieht. Ich bin also hierher gelangt, um ein Subjekt zu sein. In dieser tiefen Entfernung empfinde ich die Einsamkeit des betrachtendenden Menschen, des Menschen, der vollkommen getrennt sich wahrnimmt und etwas anderem gegenübersteht. Was für eine erstaunliche SItuation, in die ich hier hereingeraten bin. Ich möchte sie würdigen, so leidvoll sie von mir immer wieder empfunden ist. Was ist dieser eine Same, den ich aus dieser tief empfundenen Einsamkeit heraus gewinne? Er ist – und ihn einzupflanzen bin ich gekommen. Ihn zu pflegen, ihn zu behüten, ihn zu begiessen bin ich gekommen – der Same ist, gedacht zu werden von dem Universum, von der Vielzahl, von der Unendlichkeit gedacht zu werden. Der Same ist, erdacht zu sein, darin völliges Objekt. Dabei vollkommen verbunden zu sein, ein Teil des Geistes aus dem Geiste heraus. Ich selbst, eine Vorstellung zu sein dieses Geistes. Wie schön! Warum nur feiern wir nicht diesen Moment?

Und darum laufe!

Standhaftigkeit

Auf einem Stein, inmitten des dunkel beschatteten Wasserfalls, in einer Mulde, angefüllt mit zersetzem Laub, ein Same sich vor einer Weile einfand und nun ein grün leuchtendes Pflänzchen sich erhebt. Umtost vom Wasser, dem Rauschen, der Gischt. Ich erfreue mich an dem Anblick und verweile in der Frische und der in mir aufkeimenden Standhaftigkeit. Eine besondere Schönheit empfinde ich in dem von mir erahnten Mut, hier zu keimen. An dem Ort der so widrig ist, dass mir der Anblick des Pflänzchens völlig unerwartet ist. Meine Sympathie ist groß und sie war es schon immer für all das, was den Widrigkeiten sich stellte, was an Grenzen sich bewegte. Und nun fühle ich mich eingeladen, an diesem Ort in das Wasser zu steigen. Ich lege meine Kleidung ab und lasse mich fallen. Die kalte Strömung geht über mich hinweg. Ich sinke und halte den Atem an. Dabei bin ich verbunden mit dem grün leuchtenden Stengel und seinen vier oder fünf Blättern. Vertraut wir sind, das Pflänzchen und ich. Es beobachtet mich, es lächelt, seine Sympathie ist groß. Es behütet mich und erfreut sich an meinem Anblick. Vertraut wir sind, das Pflänzchen und ich. Seine Kraft ist nicht zu unterschätzen, sein Mut ist nicht zu unterschätzen.

Und darum laufe!