Möglich

Quelle ich war, so sehr, und doch: ich bemerkte es nicht. Doch jetzt verstehe ich, wie sehr ich Quelle war, als ich lief, vor Jahren bereits. Wie sehr ich die Quelle war, aus der heraus das lebendige Wasser entsprang. Es nicht wissen konnte, weil zu wissen, ich damals nicht hätte fassen können. Und heute, beides ich weiß: Quelle zu sein und auch schon in Jahren Quelle gewesen zu sein. Und heute ich beides fassen kann. Erkenntnis ist möglich, Veränderung ist möglich, Wachstum ist möglich, .

Und darum laufe!

Versiegt

Die mir vertraute Quelle am Wasserfall tief im Wald ist versiegt. Trotz der Regenfälle des WInters, der Niederschläge der letzten Wochen, rinnt aus ihr kein Tropfen mehr. Und ich denke: Warum nur ist dieses Schweigen in mir? Warum nur ist die innere Stimme verstummt? Kein Hinweis, kein Rat, keine Erläuterung, keine Offenbarung. Dort ist nur Schweigen und ich ermutige mich zu glauben, dass das Schweigen die eigentliche Botschaft ist. Dass alleingelassen ich mich fühle, weil der tiefe Wille keine Beeinträchtigung erfahren darf. Und dass ich mich entscheide, in welche Höhen ich gehen mag oder in welche Tiefen hinab ich sinken möchte. Und dass im Hochmut des Erfolgs der Fall sich ankündigt und dann die Quelle schon zu mir sprechen wird. Und dass völlig zu Asche geworden, die Quelle von dem Phoenix künden wird zu dem ich werden mag. Ich rede mir gut zu, darin zu vertrauen, dass alles richtig ist. Alles ist gut!

Und darum laufe!

Quelle

Es betrübt die Quelle, wenn es nicht einen Menschen gibt, der sich auf den Weg macht, zu ihr zu gelangen. Geläutert ist das Meer über den Weg, den dieser eine Mensch auf sich nimmt, gereinigt der Fluß, klar und frisch der Bach, heilig das Wasser dort, wo es aus dem Boden tritt. Es ist der Weg bergan, immer entgegen, doch die Richtung ist hierin jederzeit klar. Auch einsam vielleicht, doch ungeteilt, ungespalten der Mensch mit jedem Schritt er sich und der Welt Unschuld wahrt.

Und darum laufe!

Apollonia

Nach langem Lauf setze ich mich, um auszuruhen. Eine Quelle entspringt an diesem Ort. Ich trinke von ihr und hole Atem. Das stete Plätschern des frischen Wassers, es ist ungeschöpft, bis auf diese zwei Handvoll, die ich zu mir nehme. Und so verfolge ich den Lauf des Wassers, die in der Luft bewegte Form, die sich stet wandelt, doch nie aus ihrem Rahmen springt. Mit einem Male bemerke ich eine zarte Blume. Ein Schneeglöckchen, grün und weiß. Und es spricht zu mir, das Schneeglöckchen: Hast Du eine Frage an mich? Ich werde sie Dir beantworten. Ich denke nicht darüber nach, was ich fragen könnte, denn eine Frage war in mir, bevor das Schneeglöckchen überhaupt zu sprechen begann: Schneeglöckchen, gibt es einen freien Willen? Hier, anderswo, in diesem Universum, überhaupt? Und das Schneeglöckchen antwortet: Ich bin reiner, freier Wille. Alles an mir ist freier Wille. Es war mein freier Wille, zu sein, zu werden und zu vergehen. In dieser Form, zu dieser Zeit, an diesem Ort. Ich bin sprachlos. Ergriffen, in der Tiefe meiner Seele. Ich drücke meine Dankbarkeit aus: danke! Dann laufe ich weiter.

Und darum laufe!