Lauftechnik – Die Stille

Lauf, wenn Du läufst, so still es nur geht. So leis, wie nur möglich. So sanft, wie nur möglich – fliege geradezu. Vom Atmen will ich hier nicht reden. Ich rede vom Setzen des Fußes auf den Untergrund. Ist es – das Setzen – so leis, daß Passanten Dich nicht hören, sie Dich nicht bemerken, wenn Du Dich von hinten ihnen annäherst, dann ist es gut. Denn jedes Geräusch ist Energie, über die Du verfügen könntest, wäre sie hier nicht in Schall gewandelt. Du könntest diese Energie aufbringen, um Dich vom Boden abzudrücken, Dich schweben zu lassen. Ist es so leis, Dein Laufen, daß der Zaunkönig von dem Schatten nur, den Du auf ihn wirfst, aufmerkt, so ist es gut. Kein Geräusch hat ihn gewarnt. Nichts eilte Dir voraus.

Jetzt laufe nicht etwa so, weil es Dir zugute käme, weil es Gelenke, Knochen, Sehnen und Muskeln schonen würde – das tut es ohnehin, das Leise-Laufen – doch hierum geht es nicht. Es geht nicht um Nutzen oder Zweck, nicht um Ertrag oder Erfolg. Laufe leis, sanft, der Erde zuliebe, auf der zu sein Dir gestattet ist. Laufe leis, weil Du ein Stampfen ihr nicht zumuten möchtest. Weil Du Ihre Sehnsucht nach Harmonie und Übereinstimmung wahrnimmst. Weil in allem, was Du tust sich Dankbarkeit ausdrücken soll, ihr gegenüber. Dankbarkeit für ihre Duldsamkeit, für die Kraft und Geborgenheit, die sie Dir schenkt. Dankbarkeit dafür, daß sie Dich nährt, Dir Raum gewährt.

Und darum laufe!

In den Wald zu gehen

Dunkle Gedanken sind erhellt, helle Gedanken sind bewahrt und hinaufgeführt in das Lichtere, Hellere. Und so ist es richtig und wahr in den Wald zu gehen, zu laufen. So ist es niemals falsch oder verkehrt. Atmung, Rhythmus, Bewegung, die Erwärmung des Körpers – all das führt eine Läuterung herbei und sie ist eine körperliche und geistige zugleich.

Und darum laufe!

Streckenerinnerung

Ein Gedanke, beim Laufen empfangen, an einem bestimmten Punkt auf der Strecke. Im Verlauf der weiteren Strecke ist er Dir über die vielen anderen Gedanken entfallen, aller Techniken zum Trotz, mit denen Du erinnerst, was sich sonst verflüchtigt. Nun kehrst Du an diesen Ort zurück – es ist Dein Rückweg – und genau dort stellt sich dieser Gedanke wieder ein!

Und darum laufe!

180 Grad-Technik

Wenn Du läufst, kann es sein, dass Du irgendwann nicht mehr beschäftigt bist mit Atem, Schritten, Weg und Lunge – Deine Gedanken können sich selbständig machen und fließen, wohin sie wollen. Sind diese Gedanken marternde, furchtgetriebene, Sorgengebäude, so wird das Laufen Linderung verschaffen, ganz sicher. Bleibt ihr marterndes Dir trotzdem groß, so ändere Deine Laufrichtung um 180 Grad! Nun spüre, wie Du in den Gedankenschweif hineinläufst, den Du gerade eben produziert hast. 30 bis 40 Meter laufe nun, der Schweif wird nicht viel länger sein. Er ist verwirbelt von Deiner Bewegung und den nun neu sich einstellenden Gedanken zudem. Was geschieht mit Deinem Weg? Du wolltest doch Deinem Ziel näher kommen? Es liegt in der anderen Richtung. Ändere nun Deine Richtung erneut um 180 Grad und laufe durch den durchwirbelten und überlagerten Gedankenschweif und versuche zu spüren, wo Du das erste Mal Deine Richtung geändert hast. Was denkst Du nun? Wichtig ist, dass Du es beide Male mit der Richtungsänderung vor Dir erst meinst. Vor Dir also die Möglichkeit wahrst, wirklich einfach weiterzulaufen, in der geänderten Richtung. Einfach umzudrehen.

Und darum laufe!