Endlichkeit

Das Versprechen, es ist, dass in dem Vertrauen darin, dass es eine Erlösung gibt, jetzt hier in diesem Moment die Angst sich löst. Die Angst vor dem Ungewissen, dem Unbekannten, dem Ungeahnten, dem Unausdrückbaren, dem Erschreckenden und darin wird die Erlösung wahr, hier und sofort. Die Erlösung, ihr entgegenzustreben, all die Mühsal und Schmerzen zurückzulassen, das ist doch nur natürlich und nachvollziehbar. Und so lebt ein Mensch unvernünftig, riskant, an den Grenzen des Seins, strebt den Gipfeln entgegen, taucht hinab in die Tiefen und riskiert die Bewusstlosigkeit. Doch all das, nicht ohne der Aufgabe zu begegnen, die dem Menschen aufgetragen war. Die Aufgabe zeigt sich deutlich, ganz besonders an den Grenzen, nahe der Bewusstlosigkeit und sie kann sein: Die Angst zu erfahren in all ihren Ausprägungen und in ihrer würgenden Kraft, die Einsamkeit zu erfahren, die Ausgestoßenheit. Die Aufgabe kann sein: zu erfahren, wie es sich anfühlt, verraten zu werden von dem Freund. Und in diesen Erfahrungen ist alles gut. Kein Mensch ist mit einem anderen vergleichbar, keine Aufgabe gleicht einer anderen. Fern einer Bewertung. Nur der Mensch sebst mag bedenken und zurückschauen und für sich den Frieden oder den Unfrieden mit sich selbst finden. Doch zuvor sieht dieser Mensch vielleicht, wie er seinen Körper verlässt, auf einer Wiese, an einem Wegesrand. Er sieht, wie er sich also ausruht, sich ein wenig niederlegt, in Sportkleidung. Er sieht, wie er seine Füße ein wenig hochlegen möchte, um also aus sich selbst herauszutreten, unter dem Weidezaun sich hindurchzubücken, aufzusteigen, vielleicht 30 Meter, um auf sich selbst herabzublicken. Wie friedlich, wie geborgen, wie schön. Um dann zu verschwinden.

Und darum laufe!

Die Sonne

Durch den kühlen Morgen laufe ich in einer Gruppe. Die Menschen sind mir fremd, und doch sind wir miteinander verbunden im Rhythmus des Laufes. Warum nur schweigen wir? Dies ist doch ein frei gewählter Lauf, dies ist doch der Moment des Genusses. Der Aufstieg hierher, er war doch schwer genug. Die Zeit ist doch am Ende nicht so wichtig, als dass wir schweigen müssten? Milchiges Licht im Hochnebel, Tannengrün. Kurz zuvor rief uns ein Mann am Wegesrand zu: Bald kommt die Sonne, Ihr seid auf dem richtigen Weg, dort oben auf dem Gipfel, dort scheint die Sonne! Und wir schweigen. Wie unnatürlich, denke ich. Am Gipfel angelangt, rufe ich in unsere Gruppe hinein, sodass wir alle es hören können in dem Ton der naiven Freude: Wo ist denn nun die Sonne? So, als hätte ich, als hätten alle dem Mann, der sie Versprach glauben können, glauben müssen. So, als wären wir nie jemals enttäuscht gewesen von einem versprechen, welches ein Mensch uns einmal gegeben hat. Ein Versprechen, um uns anzuspornen, uns zum Weiterlaufen zu bewegen. Ein weiterer Moment des Schweigens, ein paar Schritte mehr und dann sagt die neben mir laufende Frau: Die Sonne, das bist Du! Und ich bin wie energetisiert von ihrem Wort. Ich lächele in Dankbarkeit. Ein wenig verlegen auch, doch wir als Gruppe, wir sind mit einem Mal miteinander vertraut. Wir sind geborgen in der Konstellation, die uns hier einen Moment lang trägt. Die Konstellation, die wir dann auch bald wieder verlassen können. Und so denke ich ein wenig später, dass ich versäumt habe ihr zu erwidern: Und das Herz, das bist Du!

Und darum laufe!