Sturz

Stolperst du, oder stürzt du sogar in deinem Lauf, weil dein Fuß an einer Wurzel oder an einem Ast hängen bleibt, so ist dies nicht ein Ausdruck dafür, dass der Gedanke, den du gerade dachtest, falsch wäre. Der Sturz ist keine Folge davon, dass der Gedanke irrig wäre, unangemessen oder sogar ein Unrecht. Der Sturz ist nur ein Ausdruck dafür, dass du dich etwas zu tief in den Gedanken hineinbegeben hast. Er verdeutlicht nur, dass du weit der Energie gefolgt bist, die dich erfüllt hat. Die Energie, die es ist, an der etwas ist. Die Energie, der du zu folgen hast. Gehst du über eine Schwelle hinein in das Reich, in dem du zu Erkennen dich befähigst, weil du der Natur ein Gegenüber bist, so verharre mit einem Teil deines Bewusstseins in der Welt, die vor der Schwelle liegt. Erkenne die Wurzel, die auf deinen Fuß wartet. Das ist schon alles.

Und darum laufe!

Spinnweben

Das einfallende Licht, auf meinem Weg im Wald, lässt mich eine linienförmige Reflexion  vor mir wahrnehmen. Es ist ein Faden. Es ist der erste Faden eines noch zu webenden Spinnennetzes, der quer über den Weg auf der Höhe meiner Augen gespannt ist. Ich sehe die Spinne, winzig klein, vom Wind bewegt. Sie hängt in des Fadens Mitte. Sie hat den großen Schlag geschafft. Über den Weg hinweg und ich erstaune über die Größe der Distanz, die diese kleine Spinne mit ihrem Faden überbrückte, um nun daran ihr Netz fortzuspinnen. Vielhundert Mal größer, als sie selbst. Es erfüllt mich mit Ehrfurcht, ihre Meisterschaft zu bemerken. Ich ducke mich unter ihrem feinen Gespinst hinweg, laufe weiter und blicke mit einem Mal in mich hinein. Ich fühle mich tief verbunden mit dieser kleinen Spinne. Es ist so, als wäre ich durch das Ducken und das Unterschreiten dieses Fadens in ein mir bisher verborgenes Reich getreten. Es ist ihr Reich und sie zeigt mir ihre Kraft. Sie zeigt mir die Kraft aller webenden Spinnen auf diesem Planeten. Und in diesem dunklen Raum schimmern hier und dort silbrig die feinen Netze vieler Spinnen. Es sind Stellen im Inneren meines Körpers, denn es ist der Blick nach innen, in mich hinein. Die Spinne führt mich und begleitet mich. Und so reise ich zu meinen schmerzenden Schultern, zu der Entzündung an meinem Augenlid, zu dem bedrängten Gefühl in meinem Magen, der gerissenen Hornhaut an der Ferse meines Fußes. Im Blicke schon lösen sich die feinen Gespinste in reine Reflexion und verschwinden sanft und ohne Laut. Eine Weile noch bin ich verbunden und in großer Dankbarkeit. Ich kehre zurück und unterschreite den silbrigen Faden ein zweites Mal – mit diesem Wort.

Und darum laufe!