Begrenztheit

Das Laufen als eine Form, sich zu begrenzen. Zu Sprechen ist kaum möglich, ist die Geschwindigkeit hoch. Der Gruß sogar, die erwartete Form, entfällt. Und so bleibt dem Laufenden, ein wenig, den Atem zu gestalen. Die Haltung, die Art und Weise, den Fuß aufzusetzen auf die Erde. Es bleibt, darin zu variieren, zu spielen und es bleibt, angemessenes zu denken. Angemessen ist, was sich begrenzt, sich selbst beherrscht. Nicht ausufert in Schwere und Scham. Ich versuche mein Denken zu zügeln. Mein Denken versucht, sich selbst zu zügeln. Es versucht, sich zu begrenzen, weil, wenn dies gelingt, so antwortet der Körper mit einer größeren Empfänglichkeit. Die Energien der Umwelt strömen nur so ein und alles läuft sehr gut. Von der Umwelt getrennt zu sein, ist eine Empfindung, die nun völlig aufgelöst erscheint.

Und darum laufe!

Der Strom

Mein Einstieg in seine Träge Kraft liegt bei Kilometer sechs und zu trainieren bedeutet, daran zu arbeiten, ein klein wenig früher einzusteigen, sodass das Laufen ein getragenes wird, ein von seiner Kraft geschobenes. Ein von seiner Masse sich abstoßendes, so als wäre ich ein Kanute in seinem Boot und das Stechpaddel mein Werkzeug.

Und darum laufe!

Erregtheit

Ein Mensch, den Flug der Mauersegler zu beobachten, den in der Ferne sich drehenden Tanz. Den Flug der Bienen und Wespen dazu, in ihrer Unermüdlichkeit, davor, ganz Nah. Sich überlagernde Muster, Bewegungen, das Kreisen und Figuren. Eine Sprache es ist. Eine tänzelnde Erregtheit. Alles von einer Hand. All das den Menschen zu überbringen, eines Menschen Aufgabe.

Und darum laufe!

Erschöpfend

Und mit einem Male wird mir etwas deutlich. Es trifft mich wie ein Schlag auf dem vertrauten, halb beschatteten Weg. Und ich verstehe vollkommen, tief und innig: Es erschöpft sich nie! Es wird sich nicht erschöpfen, zu keiner Zeit, in keinem Moment. Das Begegnen, das Bedenken, das Bemerken, von dem in diesem Moment Besonderen, das Empfangen – Es erschöpft sich nie! In dieser Erkenntnis zu stehen, berauscht und ängstigt mich zugleich. Erscheinungen, Gedanken, Botschaften. So, wie ich einem Menschen begegne und hier ein kurzes vertrautes Gespräch beginne, mich fangen lasse von des Menschen Offenheit, mich fangen lasse von dem wohligen Gefühl der Übereinstimmung, der Harmonie, so verstehe ich, die Variationen, in denen sich diese Zufallsbegegnung vollziehen könnte, sie sind unendlich! Tatsächlich unendlich! Die Variationen dessen, was sich hier vor mir zeigt, in Weg, Wald und Wasser, sie sind unendlich. Und die Unendlichkeit, sie ist dabei ganz innerlich. Der Raum der Möglichkeiten ist so weit, kein Horizont ist auch nur zu erahnen. Und so verstehe ich: Das Unerschöpfliche, es ist im Hier, im Jetzt, im Kerne dieses Moments, in diesem einen Samenkorn. Und je tiefer ich mich in dieses eine Samenkorn hineindenke, umso größer und weiter wird der Raum und der Blick auf das Universum legt sich frei. In diesem Samenkorn wird die Einheitserfahrung zur Grenzerfahrung und so, wie ich Alles bin, so bin ich verunsichert, meines Namens nicht einmal mehr gewiss oder bewusst. Und ich verstehe, in dieses Samenkorn zu dringen, es erinnert an den Weg, den ich täglich suche, es erinnert an den Weg, der an die Grenze meines Seins führt. An das Heraustreten, an das Fortlaufen, an das sich-Erschöpfen in dem Durchmessen des Raumes. Ich gelange an genau diesen einen Punkt, in dem die Grenzerfahrung in die Einheitserfahrung mündet. Hier wird die Einheitserfahrung zu einer Wirklichkeit, über die Annäherung an eine Grenze, die ich laufend, Schritt um Schritt vollziehe. Dem gegenüber steht die Erforschung der Einheitserfahrung, in der die Betrachtung dieses Samenkorns, mir zu einer Grenzerfahrung wird. eine Grenzerfahrung, in der alles, ich schließlich mich selbst, in Frage stelle. Ich erfahre dieses sich-in-Frage-Stellen körperlich und seelisch. Und so sind dort zwei Pole, das Samenkorn und die Weite und sie sind in ihrem Wesen Eines. Sie sind in völliger Übereinstimmung, deckungsgleich. Doch es gibt noch ein Drittes, ebenfalls in völliger Übereinstimmung, deckungsgleich. Es ist das Mittelmaß meines Seins. Mein Tägliches, mein Gewöhnliches, mein täglich Verharrendes. Es ist das Gemäßigte, aus dem ich mal hierhin mal dorthin heraus flüchte in die Versenkung und die Bewegung. Ich flüchte in die Versenkung durch die Bewegung und in die Bewegung durch die Versenkung. In beidem mich völlig verausgabend, wie besinnungslos und irr. Und so ist dort ein Schwingendes, ein hin und her, ein Oszillieren. Es ist ein Sein, welches meinen Namen trägt, welches durch mich bezeichnet ist. Die Grenzerfahrung, die in Deckung mit der Einheitserfahrung steht, sowie die Mittelmäßigkeit von der in beide Richtung dies alles ausgeht und die in Harmonie alle Extreme zugleich vereint, zugleich alle Extreme ist.

Und darum laufe!

Leicht

Es ist ganz leicht, besteht mein Leben doch hauptsächlich im Hemmen der Energie, die in mich hinabsinken kann und möchte, oder in mir aufsteigen kann und möchte. Es ist möglich, doch nur ganz leicht und die Energie, sie ist ganz leicht, fein und alles an Willen, Zorn, an Anspruch, an Erwartung muß sie vertreiben und ich bleibe materiell. Die Energie ist fein, ganz leicht und doch umfassend, vereinend, allmächtig und sie wirkt auch dem, dem nur ein Tropfen einzuladen gelingt. Und der nächste Moment bleibt mir möglich, der nächste Tropfen.

Und darum laufe!