Nebel

Ein Rufen, dem Signal eines dahintreibenden Schiffes in dichtem Nebel ähnlich. Ich  verharre. Ich fühle mich bedroht in der Tiefe meines Seins. In dem Nebel verfüge ich über keinen Anhaltspunkt, kein Seezeichen weist mir die Richtung. Nur dunkle Ahnung und Befürchtung. Und nun befrage ich mich nach dem Grund des Schweigens. Warum zieht sich die Welt zurück? Und noch bevor ich diesen Gedankenstrang zu Ende denke, erhebt sich ein weiterer Gedanke, parallel zu dem ersten. Zwei Stränge nebeneinander in Gleichzeitigkeit. Weil du nicht in der Lage bist, eine Antwort zu erfassen.  Also doch, das Rufen, zu meinem Schutze verhallt es unerwidert.

Und darum laufe!

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Der Schlag

Ich laufe, mitten auf dem Weg trifft es mich wie ein Schlag: Was ist das vor mir? Was war das? Jahr um Jahr, dieses Weiter, Weiter, Schritt um Schritt? All das Laufen, die Distanzen, Kilometer! Ich hatte nichts verstanden, ein Irren im Nebel. Im Glauben, das Eilen würde den Nebel lichten. Was ist das vor mir? Was ist es wirklich? Ich meine nicht den Weg, den Sand, die Kiesel, nicht die Bäume am Wegesrand, nicht den Fluss. Was ist das, wohinein ich den nächsten Schritt setze? Der Schlag, er ist, zu bemerken, in welcher Bedingtheit ich stand bis hierher. Der Schlag, er ist, den eigenen Schatten zu sehen, den blinden Fleck in der eigenen Netzhaut zu sehen, ganz deutlich. Das also ist der begrenzende Käfig, den ich mir installierte. Das Lichtgerüst, im Nebel golden leuchtend. Ich erstarre und stehe still, diesem Moment nachzuspüren. Einen Hauch von Freiheit erblicke ich vor mir. Die Freiheit in mir, sie ist in diesem Moment vollkommen. Sie ist vollkommen, um sie mit dem nächsten Schritt hinein in diesen Raum wieder einzubüßen. Bedingt war ich bis hierher. Frei bin ich jetzt. Bedingt werde ich sein von hieraus. Doch ich habe diesen kurzen Moment, in dem mich der Schlag traf. Ich werde ihn hüten wie einen Schatz.

Und darum laufe!

Der Nebel

Mein blicken auf mich, auf mein Sein, ist stets vernebelt. Völlige Klarheit von mir  kann ich nicht haben.Das ist konstruktiv bedingt. Es ist uns so gegeben. Daran entwickeln wir unser Leben. Den Nebel zu lichten, ist die Aufgabe eines Lebens. Und nun sehe ich ein Loch in den Wolken. Dort unten erkenne ich eine Landschaft. Ich sehe eine Küstenlinie, ein Meer, auf dessen Oberfläche sich die Sonnenstrahlen brechen und ein Glitzern zurückwerfen. Schon ist die Wolkendecke wieder geschlossen und ich weiß nicht, wie lang ich überhaupt sah. Ich weiß nicht, was an gesehenem ich mit dem inneren Auge schaute. Ich weiß nicht, was ich an äußerem Sehen erinnere und was ich an innerem Sehen fortsetze. Doch das zu wissen ist nicht wichtig. Die Landschaft, das Meer, das Glitzern, das bin ich.

Und darum laufe!