Genußläufer

Das Laufen ist mir so sehr natürliche Form, so wenig Gefahr, dass es mir in diesem Moment unmöglich erscheint, in dem Laufen an den Rand des Bequemen, darüber hinaus in den Bereich des Lernens und dann in den Bereich des Existentiellen zu gelangen. Gewiss lerne ich und doch ist es bequem und komfortabel, so betreiben, wie ich es tue. Es ist ganz sicher wohltuend und ich erschöpfe mich in ihm, das ist die Sache an sich. Und doch erschöpft es sich, wenn es keine Herausforderung gibt. Ich und vielleicht auch ein jeder anderer Mensch in seiner eigensten Form, benötige und suche eine Herausforderung: Gelingt es mir, in der Dunkelheit zu laufen, soll es die Kälte sein. Gelingt es mir, eine besonders große Dauer zu bewältigen, so soll die Steigung dazukommen. Distanz oder Geschwindigkeit, gemessen und verglichen, immer soll es eine Herausforderung sein. Es endet nie und ich berausche mich daran, mich solcherart zu vergeuden, mich zu verausgaben. Es wird mich umbringen, irgendwann. Ganz sicher, eine Heimkehr gibt es nicht. Es ist die Sache an sich. Doch die Resignation, die geängstigte Lethargie, sie würde mich ebenso umbringen, ganz sicher, irgendwann. Was also treibt mich in dieser Disziplin hinauf in den Bereich, der mich herausfordert, mich mit einer neuen Erfahrung versorgt? Vielleicht eine mich verfolgende Bedrohung. Ein Tier, eine Meute. Ich würde anders laufen, Reserven mobilisieren und überhaupt erst von Reserven in mir Kenntnis erlangen. Einem Meister des Laufens gelänge genau dies ohne eine fremde Bedrohung. Aus sich heraus der Grenzerfahrung sich anzunähern, um in der Erfahrung sich selbst zu erkennen. Sich selbst zu spüren, immer wieder. Nichts darin wäre, einmal begangen, auch schon abgeschlossen oder dauerhaft errungen. Ihm wäre kein Tier notwendig. Er wäre souverän.

Und darum laufe!

Schönheit

Eine Art Mustert, hineingewoben in den Schleier des Seins. Das Muster, welches als Teil des verhüllenden Stoffes vor dem Sein liegt, es ist in seiner Sybolik ein Ausdruck für die Idee der Schönheit. Das Muster spricht von der Schönheit. Von dem Ideal einer Schönheit und der Not ihre Abwesenheit nicht zu ertragen. Ein geborstener Baum, unberührt in seiner Form, ich mühe mich, darin die Schönheit zu erkennen. In der Spur der Zerstörung, die nicht beräumt oder irritiert ist. Und ich ahne davon, dass ich genausogut den Gleichmut den Erscheinungen des Seins gegenüber in diesen Schleier hineinweben kann. Alles ist und darin zunächst nichts weiter, als ein Phänomen. Es bedarf keiner Bewertung, keines Vergleiches. Es mag mich berühren, ich kann mich trotzdem auf ein Spiel mit der Gleichgültigkeit und dem Gleichmut einlassen. Und so webe ich in den Schleier hinein: So wie es innere Stimmen gibt, gibt es Momente der Weite, der völligen Offenheit. Es gibt Momente der Stille und der Abwesenheit auch nur eines Gedankens. Ich webe hinein in diesen Stoff den weiten, weißen Raum von dem, was sich meiner Vorstellung entzieht. Ich webe in den Schleier das nicht vorstellbare Muster der Unvorstellbarkeit hinein. Ich webe in diesen Stoff hinein die Fähigkeit, diesem Raum in Offenheit zu begegnen. Den Raum gewähren zu lassen. Aus ihm heraus mag sich etwas mir zuwenden. So leicht und fein bin ich anwesend und hellwach dabei. Dann webe ich hinein die Fähigkeit des Ausharrens in diesem Raum, ihn aufrechtzuerhalten über einen Moment hinaus. Und zuletzt sei hineingewoben in diesen Stoff, die Fähigkeit zu lernen.

Und darum laufe!