Wegmarke

Ein Baum aus einer den Weg säumenden Reihe von Eichen. Er wird in der leichten Biegung des Weges zu einer Wegmarke in der Entfernung. Der Baum liegt vor mir, in der Mitte des Weges. Er versperrt ihn geradezu. Auf ihn laufe ich zu, mein Ziel, vorläufig, jetzt. Und ich gelange näher. Schon bin ich da. Schon lass ich ihn zurück. Wegmarke reiht sich an Wegmarke. Hundert Jahre alte Eichen, eine nächste, eine folgende. Wegmarken zu finden, ist der Weg.

Und darum laufe!

Begrenztheit

Das Laufen als eine Form, sich zu begrenzen. Zu Sprechen ist kaum möglich, ist die Geschwindigkeit hoch. Der Gruß sogar, die erwartete Form, entfällt. Und so bleibt dem Laufenden, ein wenig, den Atem zu gestalen. Die Haltung, die Art und Weise, den Fuß aufzusetzen auf die Erde. Es bleibt, darin zu variieren, zu spielen und es bleibt, angemessenes zu denken. Angemessen ist, was sich begrenzt, sich selbst beherrscht. Nicht ausufert in Schwere und Scham. Ich versuche mein Denken zu zügeln. Mein Denken versucht, sich selbst zu zügeln. Es versucht, sich zu begrenzen, weil, wenn dies gelingt, so antwortet der Körper mit einer größeren Empfänglichkeit. Die Energien der Umwelt strömen nur so ein und alles läuft sehr gut. Von der Umwelt getrennt zu sein, ist eine Empfindung, die nun völlig aufgelöst erscheint.

Und darum laufe!

Gefängnis

Ein mich begrenzender Raum. Wände, ungeschmückt. Um mich herum, so eng, dass ich gerade meine Arme ausbreiten kann, ohne sie zu berühren. Ich betrachte die Strukturen, weiße Wandfarbe, abgeblättert und wieder übermalt. Ein mich begrenzender Raum, und doch bin ich frei in ihm, in meinem Gefängnis, wenn ich ohne Ziel, ohne Absicht, empfänglich bin, der reine Atem.

Ein mich begrenzender Raum, sind es auch zehntausend Meter, die ich hier laufe in meinem Plan. Er ein Gefängnis mir ist, dieser Raum. Ich betrachte die Strukturen, braunes Laub des Vorjahres, verrottete Blattstrukturen, in Schlamm und Spur zerdrückt. Und doch bin ich frei in ihm, in meinem Gefängnis, wenn ich ohne Ziel, ohne Absicht, empfänglich bin, der reine Atem.

Und darum laufe!