Blüte

Wenn es so ist, dass in dem Blühen ein Mensch sich ganz geborgen fühlt, wirklich, voller Kraft und nun läuft, als seien das Sein und das Laufen völlig eins und der Mensch in Übereinstimmung mit seinem Selbst, seiner Seele. Wenn also alles strahlt und Raum und Zeit ineinander fließen, wirklich und wahr, so bleibt doch ein Gedanke, der gerade jetzt in der höchsten Blüte denkbar ist. Dieser Gedanke drängt sich nicht auf, er lauert eher. Er hält sich auf in dem Raum aller möglichen Gedanken und lässt viele andere Gedanken sich vordrängen. Doch sanft ruft er sich selbst in Erinnerung, ist er doch von erhabener Größe in seinem Schrecken. Er ist, dass vielleicht dem Wirklichen in seiner Blüte einmal ein höheres Maß an Wirklichkeit gelingen mag in dem Vergehen. Dass überhaupt ein höheres Maß noch existiert, als dieses Blühen. Dass ein Selbst, welches sich hier feiert, sich tiefer noch kennenlernen wird in seinem Verfall, in seinem Schmerz, in seiner Niederlage, in seinem Verlust, dem nicht-mehr-können, der Ermüdung, der Erschöpfung. Dem Siechtum. Dort ja, in der Ermüdung, ein Maß an Wahrheit, zuvor ungesehen, ungespürt. Das bin ich! Es ruft mit ersterbender Stimme: das wirklich, das bin ich!

Und darum laufe!