Grundformen der Freude

Sich zu entfernen von den Menschen, es birgt die Freude, sich selbst begegnen zu können, sich selbst nah zu gelangen. Unteilbar sich wahrzunehmen, vollkommen selbst-verständlich zu sein, als mit sich selbst übereinstimmend, sodass das Wort, ist es ausgesprochen, in Einfachheit und ohne Zweifel, vollkommen ausdrückt, was es bezeichnet: Ich. Dieses Ich ist nicht kursiv geschrieben oder gedacht, nicht in Versalien oder in Anführungszeichen gesetzt, es ist einfach und klar: Ich! Sich anzunähern an die Menschen, zu begegnen, ihnen nah zu sein, es birgt die Freude, in ihren Kreis einzutauchen. Es birgt die Freude, aufgenommen zu sein, angenommen als Individuum. Es birgt die Freude, zu erfahren, dass eine Gruppe, ein Kreis sich öffnet, um sich zu erweitern. Ein Kreis macht sich verletzlich, um in der Bereitschaft mich aufzunehmen, mir zu zeigen, dass ich wertvoll bin, ein bereichernder Beitrag sein kann, begehrt und ersehnt. Und dass ich vielleicht genau der ihn vervollkommnende Teil bin, dass ich genau das bin, was ihm fehlt. Und ich löse mich auf, gebe mich hin, habe ich doch gelernt darin mich zu wahren, unteilbar zu bleiben. An sich eine Sache zu erfahren, es birgt in sich die Freude, in dieser Sache geübter, erfahrener, besser zu werden. Auch vorzudringen zu einer inneren, schon immer vorhandenen Wahrheit, von dieser Sache, dieser Disziplin, die nicht benennbar ist, heilig und schön. Dieses innere Wissen von der Sache, es zu heben, es in unserer Praxis zu verwirklichen, macht uns zu dem Genie, zu dem andere aufschauen. Andere versuchen nachzuempfinden, denn es beseelt und strahlt aus. Sich anderen zu widmen, jüngeren, unerfahreneren und ihnen zu berichten von dem über die Erfahrung Errungenen, es birgt die Freude ganz voller Mitgefühl zu sein. Das eigene Erblühen in seiner bejahenden Kraft, ist in mir empfunden, dort wo sehe, wie ein anderer wiederum erblüht. Ich gehe über mich hinaus, in der Empfindung des Mitgefühls. Den Reichtum, den ich mir auf meinem Weg erwarb, in Schmerz und Freude, gebe ich fort, ohne dass er sich schmälern würde. Ich teile Erfahrungen, Begegnungen mit mir selbst und der Welt. Teile Erfahrungen mit dem Absoluten, dem Unbenenbaren und der diesem innewohnenden Kraft, für die zu leben, ich als Geschnk empfinde. Ich eröffne den Raum für die eigene Empfindung, weil ich einmal erfuhr: Nur dadurch, dass mir der Raum eröffnet wurde, war ich in der Lage zu dem eigenen an dem Universellen zu finden. Ich stehe nicht im Weg und bin bereit, mich zurückzuziehen, vollkommen, wenn es dem anderen dient auf seinem Wege.

Und darum laufe!

Langeweile

Das als langweilig bezeichnete, es mag ja eine wiederkehrende Sache sein. Und doch wirkt das Wiederkehrende in mich hinein. Das ist der als langweilig empfundene Moment. Ein Moment, der Unlust erzeugt, unangenehme Gefühle und den Wunsch nach Veränderung. Und die Veränderung liegt in weiter Ferne, sie ist nicht zu sehen, so scheint es. Stampfen, Laufen, Rascheln, Atmen und Licht. Schon in diesem, aus dem Moment heraus sich lösenden Gefühl der abklingenden Langeweile, die sich ja verflüchtigt, ohne dass ich tatsächlich bemerke, ist die Welt gewandelt. Eben denke ich noch, es sei Langeweile und schon springt sie mich an, die Farbe des Laubes auf dem Weg. Noch nie habe ich Farbe so gesehen. Noch nie die feinen Abstufungen, mit denen das Laub spielt, gesehen. Die Langeweile wirkt also in mich hinein und verfeinert meine Wahrnehmung. Die Whrnehmung von dem, was ja da ist, wie es eben war und nun nicht mehr Langeweile ist. In mir etwas sich wandelt, ganz unmerklich. Sie ist zu unrecht verachtet, die Langeweile, sie ist unterschätzt, die Langeweile.

Und darum laufe!

Konstante

Das Laufen als eine Art Konstante, an der ich mich mir selbst annähern kann. Verunsicherungen kann ich in ihrer Tiefe in Beziehung setzen zu dieser Konstante und erfahre also, wie weit ich herausgefallen bin aus meiner Routine, wie ich mich also wandele, zurückfalle in alte Muster der Unfreiheit, in Süchte und die Betäubung meiner Selbst. Es ist nicht nur und nicht hauptsächlich eine Konstante in Bezug auf die Zahlen, die Distanzen und Zeiten ausdrücken. Zuerst ist es eine Konstante des Empfindens, des Gefühls. Fühlend zu verstehen, wie ich ehemals fühlte. Auch, dass das Fühlen keiner Alterung unterliegt. Zu fühlen, wie es ist, zu beginnen, sich zu erfreuen daran, wie es ist, aus der Mühsal der Anstrengung herauszugelangen in die Leichtigkeit einer Bewegung. Es ist dieses Gefühl, zu dem ich zurückkehre und es vermittelt mir eine tiefe Geborgenheit. Ich erinnere, als Kind und auch als Jugendlicher noch ungeübt etwas ausgehalten zu haben, die eigene Grenze verschoben zu haben. Ich gelangte damals in ein höheres und zugleich tieferes Vermögen und es ist ganz genau dieses Gefühl, welches mich heute trägt.

Und darum laufe!