Freude

Ich denke, denke in Gedanken. Einzeln, sich abzeichnende Gedanken aus einem Strom heraus. Gedanken, die eine Gestalt annehmen, noch bevor sie in Worten formuliert sind. In Sätzen oder in einer ganzen, jetzt schon in diesem Moment ausformulierten Seite von Text, die den Kern des Gedankens umkreist und zugleich wie ein Pfeil auf ihn abgeschossen ist. Dies also unausgesetzt und ich forsche an dieser unausgesetzten Gedankentätigkeit, um dem Moment des Vergessens zu begegnen. Als wäre der Gedanke geradezu bewältigt und abgelegt, vielleicht sogar aufgelöst dadurch, dass er gedacht war. Und in mir bleibt eine überraschte Leere. Ich, der diesen Gedanken gedacht hat, der diesen Gedanken doch zurücktragen wollte, ich bemühe mich nun also, diesen Gedanken wieder zu erinnern. Ist er völlig aufgelöst, oder nur abgelegt? Sodass er aus einem geheimnisvollen, nur mir zugänglichen Archiv, wieder hervorzuholen wäre? Und jetzt also die Freude. Schritt um Schritt ein freudvoller Lauf, denn es ist auch heiter, dass etwas in der Lage ist, zu verschwinden, sich aufzulösen. Etwas ist in der Lage, gelebt zu sein. Etwas war gelebt und ist nun nicht mehr. Auch dies ein Gedanke, doch ich spüre ihn, erfahre ihn ganz deutlich. Er ergreift und erhebt mich mit dem Versprechen, selbst einmal gelebt zu sein. Freudig zu erkennen ist, es ausgekostet zu haben in dem Gedanken, der nun nicht mehr ist. Doch ich bin. Ich bin und ich war. Ich bin heiter, unteilbar und wahr.

Und darum laufe!

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